Zugespitzt formuliert: Bücher über Bildung sind entweder von Hartmut von Hentig oder Neil Postman oder nicht lesbar

schwer verdauliche Fachliteratur, meist Ratgeber für hilflose Eltern und Lehrer, die den ohnehin diffusen Bildungsbegriff nur noch weiter vernebeln. Daniel Goeudevert geht ganz anders an das Thema heran. Er verschwendet keinen Gedanken an die unlösbare Frage: "Worin besteht das Wesen von Bildung?" Einen Ruf als Bildungsexperte hat er ohnehin nie gehabt und folglich auch nicht zu verlieren. Und so stürzt er sich mit großer Unbekümmertheit in das schwierige Thema, lässt Common Sense walten, wo andere sich in fruchtlosen Begriffsanalysen verheddern. Das Ergebnis ist zwar nicht unbedingt überraschend, aber erfrischend. Ein - früher hätte man gesagt - "lebenskluges" Buch ist dabei herausgekommen, in das Goeudevert private Erfahrungen ebenso einbringt wie seine beruflichen als einstiger Topmanager der Automobilbranche.

Dass Bildung in der modernen Welt verloren zu gehen droht oder schon verloren ist, durch Ausbildung und Wissen verdrängt, ist für ihn keine Frage. Da ist er Traditionalist. In einer Art Marsch durch die Institutionen Familie, Schule, Hochschule zeichnet er die Bildungsdefizite nach. Er zeigt (auch am eigenen schlechten) Beispiel, wie Eltern ihre Erziehungsaufgabe vernachlässigen und den Schulen übertragen, die wiederum damit überfordert sind - mit der Folge, dass Kinder derzeit überhaupt nicht mehr erzogen würden. Er warnt vor der emotionalen Verwahrlosung der Jugendlichen und der Illusion, die Bildungsmisere sei durch flächendeckende Computerisierung und Vernetzung zu beheben.

Und während nach Goeudeverts Ansicht in den Schulen die Bildung zugunsten der Ausbildung auf der Strecke bleibt, ist es in den Hochschulen eher umgekehrt.

Hier walte nach wie vor ein Bildungssnobismus, der in jedem Absolventen einen potenziellen Gelehrten sehe. Das Ansinnen, Studenten zügig und auch praktisch auf einen Beruf vorzubereiten, gelte dagegen immer noch als degoutant. Eine schlechte Voraussetzung, um sich beim Wettbewerb um gute Studenten international zu behaupten, meint Goeudevert und fordert mit einem stilistischen Rückfall in seine Zeit als Autoverkäufer: "Legt die Hochschulen tiefer!"

Überhaupt schreibt er, wie er redet - assoziativ, sprunghaft und ohne sich viel um Aufbau und Systematik zu kümmern. Die Einteilung des Buches in Kapitel ist eher eine Scheingliederung, ein Damm, der die Goeudevertsche Gedankenflut mit Mühe in halbwegs geordneten Bahnen hält. Sehr zur Freude des Publikums legt er auf seinen Lesereisen das Manuskript stets ziemlich bald beiseite und extemporiert. Vorlesen ist ihm viel zu langweilig - zumal den eigenen Text. Goeudevert ist sich durchaus bewusst, dass der Erfolg seiner Bücher vor allem eine Folge seiner Popularität und seiner Ausstrahlung ist.

Und ohne falsche Bescheidenheit setzt er beides ein - nicht um Kasse zu machen, darauf ist er wahrlich nicht angewiesen -, sondern in missionarischer Absicht. Er will tatsächlich die Welt verbessern helfen, in diesem Fall die Zukunft der Bildung.