España va bien: Spanien geht es gut!" Das ist der Lieblingssatz von José Mara Aznar - vor heimischem Publikum. In Brüssel hingegen belebt der spanische Ministerpräsident seit geraumer Zeit das Image des armen Bruders aus dem Süden. Diesen Spagat kann der konservative Politiker leicht erklären: Der ehemalige Finanzbeamte will, wie er vor ausländischen Journalisten jüngst sagte, "die Rechnung für die vor allem für Deutschland nützliche Osterweiterung der EU nicht bezahlen".

Auch nach 2006, wenn der EU-Haushalt neu verhandelt wird, fordert Aznar die gleiche Unterstützung aus den zahlreichen EU-Fonds wie bisher. Viele Experten befürchten, der als äußerst pragmatisch und dickköpfig bekannte Spanier könnte seine Ansprüche sogar noch hoch schrauben.

Aznars Taktik ist verständlich. Er weiß, dass die 40 Millionen Spanier ihren jetzigen Wohlstand und das seit fünf Jahren andauernde Wirtschaftswachstum nicht allein seinen Reformen zu verdanken haben, sondern vor allem den vielfältigen finanziellen Hilfen aus Brüssel. Seit langem ist Spanien der größte Nettoempfänger innerhalb der EU. Die wichtigsten Hilfen kommen aus den so genannten Kohäsionsfonds, die die Angleichung bei Infrastruktur und Umweltschutz vorsehen, sowie aus den Strukturfonds, die derzeit insgesamt zehn spanische Provinzen wirtschaftlich fördern.

Wachstum auf Kosten anderer

Betrug bei Spaniens Beitritt zur Europäischen Union 1986 das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der Spanier noch 72 Prozent des europaweiten Mittels, sind es heute bereits über 83 Prozent. Von dem für 2001 erwarteten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,2 Prozent ist nach Schätzungen von Experten mindestens ein Prozentpunkt den Brüsseler Finanzhilfen zuzuschreiben. Ein gemütliches Kissen, auf dem sich die Aznar-Partei Partido Popular (PP) auch weiter ausruhen möchte.

Seit seinem EU-Beitritt hat das Land insgesamt 40 Milliarden Euro aus den verschiedenen Fonds der EU erhalten. Geld, das Spanien unter anderem geholfen hat, nach Frankreich zum weltweit zweitgrößten Touristenland zu werden. Auch die wachsende Konsumfreude im eigenen Land hat den spanischen Top-Unternehmen in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum beschert.

Allein der Stromerzeuger Endesa hat seinen Nettogewinn seit 1990 um 160 Prozent steigern können, der Telefonriese Telefónica um ganze 210 Prozent und die Banken BBVA oder BSCH sogar um jeweils mehr als 300 Prozent. Der seit kurzem an der Börse notierte Textilhersteller Inditex ist der viertgrößte seiner Branche europaweit. Dank üppiger Agrarhilfen ist Spanien zudem weltweit zum ersten Produzenten von Olivenöl avanciert. Mit EU-Geldern und dem damit verbundenen Aufschwung stieg das Land inzwischen zum wichtigsten Investor in Lateinamerika auf - noch vor den USA.