DIE ZEIT: Herr Schinzler, Sie sind der große Unbekannte unter den Chefs der 30 Dax-Unternehmen. Das hat Ihnen gleich mehrere Attribute eingebracht: Den einen gelten Sie als geheimnisvoll, den anderen als langweilig. Was stimmt denn nun?

Hans-Jürgen Schinzler: Es liegt nicht an mir, das zu beurteilen. Ich glaube aber, dass man sich selbst nicht unwichtig genug nehmen kann. Und ich mag keinen Personenkult. Was eine Rückversicherung stark macht, ist die Arbeit im Team, so wichtig es natürlich ist, dass jeder sein Bestes gibt. Und mein Bestes ist bestimmt nicht die Selbstdarstellung. Öffentliche Auftritte suche ich nicht.

ZEIT: Auf der anderen Seite steigt der Druck des Kapitalmarktes. Die Investoren wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Schinzler: Wenn es für die Aktionäre, also die Eigentümer unseres Unternehmens, wichtig ist, dass mein Bild in der Zeitung erscheint oder ich im Fernsehen auftrete, dann gehört das zum Geschäft. Aber ich mag das nicht. Mein Nachfolger muss sicher mehr danach ausgesucht werden, wie er sich in der Öffentlichkeit präsentiert, als nur danach, wie gut er seinen Job an sich macht.

ZEIT: Auch Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle betont gern, wie unangenehm ihm öffentliche Auftritte sind. Dennoch hat er seine Pläne zur Übernahme der Dresdner Bank sogar in der Talkshow von Sabine Christiansen präsentiert.

Schinzler: Dagegen hätte ich mich mit Händen und Füßen gewehrt. Aber die Münchener Rück ist auch in einer ganz anderen Situation als die Allianz. Wir haben als großer Rückversicherer keine Privatkunden, die Allianz dagegen hat allein in Deutschland mehr als 17 Millionen. Da muss so etwas schon mal sein.

ZEIT: Die Münchener Rück verbindet mit der Allianz eine mehr als hundertjährige Geschichte. Beide haben die gleichen Gründerväter. Beide besitzen ein großes Aktienpaket des anderen. Und die Allianz war immer schon Ihr größter Kunde. Man könnte auch sagen: Da teilen sich zwei den Markt auf.