Wie die Kochbücher Jörg Müllers erwarten lassen, versetzten schon die Appetithappen den Esser in Entzücken, und dann prasselte das Aromafeuerwerk - es kamen die Vorspeisen. Meine Favoritin bestellte Vitello Tonnato, was wahrhaftig stets ein guter Küchentest ist; Jörg Müller hat ihn bestanden. Der Koch war sparsam mit Thunfisch, dafür großzügig mit dem Eigelb und - passend! - der Zitrone umgegangen; den Rand bildete ein feiner Streifen uralten Balsamicos, der auch als Sirup hätte durchgehen können. Meins war ein mediterraner Gemüsesalat, bestellt hatte ich ihn wegen des Bärenkrebses, der sich verführerisch auf dem Salat plaziert hatte: ein frisches, aromatisches Schalentier. Anschließend tauchte ich in einen Hummer-Eintopf, wissend, dass Hummer zu Müllerns Feinstem gehört; meine Liebste versank in Trüffelaromen, die ihr Risotto mit Wachtel verströmte - perfekt.

Risotto ist noch so ein Küchentest, bei dem manch besterntes Restaurant patzt. Müller nicht. Die Hauptgerichte waren OK, aber über bloß OK-es Essen soll hier nicht berichtet werden, also auch nicht über den Käse. Macht nichts, grandios war der Abend trotzdem, nicht zuletzt wegen der gelungenen Wein-Auswahl. Immerhin drei Jahrgänge meines liebsten Weißweines standen auf der Karte: Clos de la Coulée de Serrant, ein Savénnières (Loire), hergestellt von dem durchgeknallten Anthroposophen Nicolas Joly. Der 89er zeigte die erwarteten Salmi- und Zitrustöne, überraschte aber mit einem Abgang, der selbst die zwischendrin genossenen Speisen überdauerte - dieser Wein wird immer schöner. Zu Kaninchen und Kalb, den Hauptgerichten, erwies sich der rote 93er Chassagne-Montrachet von Ramonet als schmeichelnder, ebenfalls langanhaltender Wein mit schöner Tanninstruktur und würzigen, duftigen Aromen. Der Service war prima, das Publikum - nun ja, wir gehören schliesslich auch dazu.

Sobald Sie es einrichten und sonstwie verantworten können, fahren Sie am Besten mal hin. Wer sparen muss, verzichtet dafür eben auf einen Tag Urlaub oder zwei und hat die Kosten wieder eingespielt. Versprochen: Es lohnt sich. So. Und morgen gibts Spargel. Darauf freut sich

Ihr Gero von Randow

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