Sorry, Mr. Ex-President, dass wir Ihnen so brutal ins Gesicht treten müssen.

Wir finden das ziemlich abgeschmackt. Aber wir haben keine andere Wahl, denn jeder, der in das Al-Rashid-Hotel in Bagdad hineinwill, muss über ein farbiges Bodenmosaik mit dem Porträt von George Bush senior laufen. Gutes Handwerk: Man erkennt ihn auf Anhieb.

Wir sind 25 Studienreisende aus Deutschland, die im Al-Rashid-Hotel in Bagdad Quartier beziehen. Von hier aus soll eine zweiwöchige Rundreise zu archäologischen Stätten des Irak beginnen, dorthin, wo die abendländische Kultur ihren Anfang nahm. Sechs Ehepaare, dreizehn Alleinreisende, zumeist Damen. Viele bereits im Ruhestand. Niemand hat die Reise abgesagt, weil erst jüngst in der Nähe von Bagdad eine Rakete niederging - auf Befehl von Bush junior. Ein Warnschuss an die Adresse von Saddam Hussein, die nach dem Golfkrieg eingerichteten Flugverbotszonen zu respektieren.

Der Irak - touristisch gesehen Terra incognita, ein Reiseland der besonderen Art. Kurz vor der syrisch-irakischen Grenze schärft unser Reiseleiter der Gruppe einige Verhaltensregeln ein: Nicht über Politik reden, das könnte gefährlich werden. Am besten den Namen Saddam gar nicht erwähnen. Letzte offene Worte. Fortan wird sich unser Reiseleiter, ein in Deutschland promovierter syrischer Archäologe, als Meister diplomatischer Linguistik erweisen. Denn auf der anderen Seite warten drei Iraker, die uns nicht mehr von der Seite weichen werden, bis wir das Land verlassen.

Im irakischen Grenzgebäude schaut uns der Mann, dessen Namen wir nicht nennen sollen - Öl auf Leinwand - mit so einladendem Lächeln an, als habe er sehnlichst auf uns gewartet. Doch Diktatoren sehnen sich nicht, sie befehlen.

Saddam hat verfügt, dass im Irak ab sofort Tourismus stattzufinden habe. Und wir sind das Pilotprojekt, wir wissen es nur noch nicht. Plötzlich aber ist das irakische Fernsehen da. Wir werden als erste offizielle Tourismusgruppe begrüßt und interviewt. Order von ganz oben, gibt man uns zu verstehen.

Warum sind Sie in den Irak gekommen?, fragt der Reporter. Und erhält immer die gleiche Antwort: einmal die legendären Orte des Alten Testaments mit eigenen Augen sehen. Ur und Uruk, Ninive, Babylon. Mesopotamien, das Land zwischen den Strömen. Einmal am Ufer des Euphrat stehen, auf den Tigris schauen - Kindheitsträume sind zählebig.