die zeit: Es gibt eine Standardgeschichte Ihres Lebens. Der junge, disziplinierte Westfale kämpft im Zweiten Weltkrieg als Offizier in Nordafrika und kommt als Kriegsgefangener in die USA, wo er Demokratie und moderne Managementmethoden kennen lernt. Zurück in der Heimat, baut er den Familienbetrieb wieder auf, beteiligt die Mitarbeiter am Unternehmen und formt den bekannten Medienkonzern. Ist das Ihre Geschichte?

Reinhard Mohn: Das ist die Geschichte der Ereignisse. In einem Abituraufsatz zur Berufswahl habe ich mit sechzehn Jahren geschrieben: Ich möchte eine Chance im Leben haben - also das, was sich junge Menschen heute wünschen und in unserer offenen Welt auch finden. Mir hat es später nicht an Gelegenheiten gefehlt. Ich habe daraus gemacht, was ich konnte.

zeit: Hätten Sie Ihre Anteile an Bertelsmann behalten und an die Börse gebracht - Sie könnten der reichste Mann der Welt sein.

Mohn: Das bedeutet mir nichts.

zeit: Was wollten Sie erreichen?

Mohn: Mir ging es um die Aufgabe. Ich wollte, dass meine Arbeit der Gemeinschaft dient

auch das stand in der Abiturarbeit. Reichtum war nicht mein Ziel