Die Frage der Entsendung von 3.000 Soldaten zur Entwaffnung der Albaner-Rebellen ist auf den ersten Seiten eindeutig das Thema des Tages. Ob Deutsche demnächst auch als "Friedenstruppe light" in Mazedonien dabei sein werden, fragt sich beispielsweise die "tageszeitung" in ihrem Aufmacher "Nato will in Makedonien Waffen sammeln gehen".

Die "Frankfurter Rundschau" beschäftigt darüber hinaus die deutsche Innenpolitik. Sie berichtet über ein unveröffentlichtes SPD-Konzept, das neue liberale Akzente in der Zuwanderungspolitik setzt sowie über das Zerwürfnis zwischen CDU und Grünen in Frankfurt. Auch der "Tagesspiegel" konzentriert sich auf die Probleme in der eigenen Stadt, und wenig überraschend geht es da ums Geld (des Bundes): "509 Millionen Mark zu viel verbaut" verkündet die Zeitung und erklärt, - wir interpretieren es nicht metaphorisch - dass die Bürogebäude der Bundestagsabgeordneten auf Sand gebaut seien und dadurch erhebliche bauliche Mehrkosten verursacht würden. "Die Welt" kümmert sich um Münteferings Äußerungen zur Homosexualität und titelt: "SPD-Generalsekretär brüskiert Katholiken", während sich das "Handelsblatt" dem Absturz der Infineon-Aktienkurse zuwendet.

Ursula Karven und der Tod ihres 4-jährigen Sohnes im Pool von Tommy Lee ist erneutes Thema für die "Bild": "Die Mutter klagt an". Direkt daneben die brisante Frage, wie krank Madonna ist. Denn mitten im Juni trägt sie auf ihrer Konzerttournee einen Wollschal. Nicht der winterliche Sommer ist Schuld, sondern Madonnas Hals-Entzündung, enthüllt die Zeitung.

Operation Mazedonien

3.000 Soldaten stellt die Nato zur Entwaffnung der albanischen Rebellen bereit - als einziges Mitglied haben die Deutschen in Brüssel Bedenken wegen der Mandatsfrage geäußert. Ob ein Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt und eine deutsche Beteiligung richtig wäre, das sind die Leitlinien der Kommentare. Die "tageszeitung" hält einen Einsatz für wenig sinnvoll und meint, es sei höchst unwahrscheinlich, dass die gestellten Vorbedingungen überhaupt erfüllt würden: "Dazu gehören ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien, die Bereitschaft der UÇK, sich entwaffnen zu lassen, sowie eine entsprechende Vereinbarung hierüber mit der Regierung in Skopje".
Das Beharren auf einem UN-Mandat sei nur ein Vorwand, meint die "Süddeutsche Zeitung". In Wahrheit stoße die Bundeswehr schon unter der Last der laufenden Operationen an ihre Grenzen. Ein Mazedonien-Engagement der Bundeswehr könne schnell den mühsamen Kompromiss um den Wehr-Etat zwischen Verteidigungsminister Scharping und Finanzminister Eichel zunichte machen.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hält es für sinnvoll, dass die Nato versucht, nicht den gleichen Fehler wie im Kosovo zu wiederholen, als Kfor-Einheiten sich nicht eben beeilten, UÇK-Kämpfer zu entwaffnen. Allerdings habe der Nato-Beschluss bislang nur rhetorische Bedeutung, da er Druck auf die Verhandlungsparteien erzeuge. "Doch dieser sanfte Druck könnte unzureichend sein. Wenn die Nato nur gebraucht wird, um die Waffen einzusammeln, wird sie nicht wirklich gebraucht. Wird sie aber wirklich gebraucht, dann muss sie helfen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Waffen überhaupt erst eingesammelt werden können."
Dass die UÇK bei der Aktion Hintergedanken verfolgt, vermutet der "Tagesspiegel": "Die UÇK ist stark genug, um Mazedonien zu destabilisieren, aber zu schwach, um neue Grenzen zu erzwingen. Sie möchte Nato-Truppen an der Demarkationslinie zwischen Mehrheits- und Minderheitsgebiet, damit sie unfreiwillig die gewünschte Teilungslinie bewachen. Wer glaubt ernsthaft, dass die UÇK freiwillig alle Waffen bei der Nato abliefert?" Es sei gut möglich, dass dieser Einsatz nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer umfangreichen Nato-Präsenz sei, fährt Christoph von Marschall fort, aber Europa könne sich dem nicht entziehen. "Wenn der Westen weiter zuschaut, wie Mazedonien in den Krieg abgleitet, wird er am Ende erst recht eingreifen müssen - nur wird das dann noch gefährlicher und kostspieliger."
Die Nato dürfe sich in Mazedonien nicht noch einmal vor den Karren spannen lassen, meint hingegen die "Welt". Die Untiefen des Balkan nähmen kein Ende, und die Gefahr sei groß, dass die Allianz in einen Konflikt hereingezogen würde. Daher sei auch ein klares Nein des Parlaments zu einer Bundeswehrbeteiligung die einzig richtige Entscheidung.

Gescheiterte Zusammenarbeit in Frankfurt