Berlin

Er hat einfach zu große Bedeutung. Und dann ist es eine Frage des Muts. Für Mut aber sei er ein "abschreckendes Beispiel". Wolfgang Schäuble denkt über Helmut Kohl, Angela Merkel und sich nach. Er sucht nach Antworten auf die Frage, weshalb die CDU nicht aus dem Banne des Kanzlers a. D. herausfindet.

Im Schatten des Körpers des Kutschers: Immer noch ist Helmut Kohl dieser Kutscher, und immer noch will Schäuble über den Altkanzler, auch über seine jetzige Rolle hinter den Kulissen, nicht viele Worte verlieren. Aber die zweite und wohl auch endgültige Demütigung nach seinem Rücktritt vom Parteivorsitz hängt ganz offensichtlich wieder mit Kohl zusammen.

Während der hektischen Suche nach einem Nachfolger für Eberhard Diepgen traf Kohl sich, die Sache blieb ausdrücklich undementiert, zu einem Plausch mit Frank Steffel in einem Grunewald-Restaurant, um ihn zum Antreten zu ermuntern. Er dürfe sich niemanden vor die Nase setzen lassen, soll er dem Kandidaten ins Gewissen geredet haben. Du bist der "Neuanfang", auf den alle gewartet haben. Der Dank folgte prompt, die Hilfe des alten Meisters im Wahlkampf will der "Neuanfang" um Himmels willen nicht missen. Steffel: Toll! Große Freude! Eine Ehre! Ein Kämpfer mehr! Und dabei, das sieht nicht nur Schäuble klar, wird im Zweifel Kohls Name vor allem mit dem Landowskys verbunden, der Schlüsselfigur der Berliner Affäre.

Schäuble sagt zwar einerseits, Landespolitik sei nicht gerade das, worüber er nachdachte. Und zudem, das weiß er, ist Berlin ein Sanierungsfall. Andererseits ist Schäuble doch bitter, und er hat Grund dazu. Im Gespräch flicht er zwar ein, er sei froh, "dass der Kelch an mir vorübergegangen ist". Aber es gibt Fehler, die einfach nicht passieren dürfen. Parteifreunde Schäubles formulieren das viel dramatischer als er. Nichts ist verheilt, die alten Wunden, die alten Fronten sind schon wieder da. "Papa ante portas", bejubelt die Welt den um sich schlagenden Alten, den sie schon wieder mal retten muss.

Über "Strippenziehen" will Schäuble gar nicht groß herumspekulieren. Aber klar ist, dass Kohl mitsprach über Berlin, und auch, dass Schreibers 100 000-Mark-Spende, die er entgegennahm, erneut dazu benutzt worden ist, dem Widersacher den Hals zuzudrehen. Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Schäuble: Diese Schlagzeilen wurden im gleichen Moment in die Welt gesetzt, als gegen Absprache und Comment auch publik gemacht wurde, Schäuble habe sich von Diepgen und Steffel in die Pflicht nehmen lassen und seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt.

Warum nicht Schwarz-Grün auch in der Hauptstadt?