Der Rohstoff: Spinacia oleracea. Auf Deutsch Gemüsespinat. Spinat gehört, wie Rote Bete oder Mangold, zur Familie der Gänsefußgewächse. Ein heimischer Verwandter ist der Dorf-Gänsefuß, auch Guter Heinrich genannt. Gemüsespinat kam ursprünglich aus Vorderasien über Spanien nach Europa. In Deutschland werden nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle jährlich 60 000 Tonnen Spinat angebaut. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt bei etwas mehr als einem Kilogramm. Spinat gilt als gesund.

Das Produkt: Iglo-Rahmspinat. Der mit dem "Blubb" beziehungsweise "Extrablubb" Sahne. 1961 kam er auf den Markt. Eine Erfolgsgeschichte wie der VW-Käfer. Oma, mach noch mal den Blubb. Vier Jahrzehnte lang war der grüne Iglo-Würfel Marktführer. Ein typisches Familienschnellgericht, wie Mirácoli oder Fischstäbchen.

Das Unternehmen: Langnese-Iglo GmbH, eine Tochter von Unilever. Jahresumsatz mit Eis und Tiefkühlprodukten: 1,7 Milliarden Mark. Jährlicher Spinatdurchsatz: 45 000 Tonnen. Jährlicher Werbeetat: 20 Millionen Mark.

Das Problem: Die meisten Käufer griffen Ende der neunziger Ende nur noch gelegentlich zum Rahmwürfel. Legten die Packung zu Hause ins Tiefkühlfach und erinnerten sich erst wieder daran, wenn der Kühlschrank leer war. Wenn gar nichts mehr da war, gab es, was es immer gab: Kartoffeln, Spiegelei und Spinat. Anders ausgedrückt: Die Verwendungsfrequenz ließ zu wünschen übrig. Als man das bei Iglo erkannte, läuteten die Alarmglocken. Der Blubb war in Gefahr.

Die Agentur: McCann-Erickson. Gegründet 1928. Weltweit in 127 Ländern vertreten. Deutsche Niederlassungen in Frankfurt, Hamburg, Nürnberg, Dresden und Berlin. Kunden unter anderem: Deutsche Bank, General Motors, Microsoft, L'Oréal. Agenturphilosophie: "Truth well told".

Das Ziel: Revitalisierung eines Klassikers. "Top of the Mind" werden. "Awareness" schaffen. In den "Relevant Set" kommen. So in etwa formulierte das die Marketingabteilung von Iglo. Petra Stachowiak, Kontakterin bei McCann-Erickson Hamburg, erinnert sich noch an eine weitere Vorgabe des Spinatherstellers: Macht es laut, macht es ungewöhnlich, macht es so, dass ihr glaubt, wir akzeptieren das nie. Oma war damit aus dem Rennen. Man ging auf die Suche nach dem Blubb für die Hausfrau von heute.

Die Hausfrau von heute: jung, attraktiv, selbstbewusst. Gerne Single. Bisschen zickig, ziemlich sexy. Trotzdem lieb. Am 5. Juni 1996 stand sie zum ersten Mal in Bild: Verona Feldbusch (26), nach vier Wochen Ehe geschieden. Von Dieter Bohlen! Begründung: "Sie schlief bis mittags und wollte nicht kochen." Für Verona Feldbusch war es der Auftakt zu einer erstaunlichen Karriere. Die "Stressmaschine" (Bohlen) verwandelte sich vom "Peep-Girl" (Frau im Spiegel) über die "Dativ-Domina" (News) und "Dilettantin" (Tagesspiegel) zum werbewirksamen "Multitalent" (werben & verkaufen).