Von einer Renaissance ist also zu berichten. Umgehend verursachte sie bei allen Gala-Blättern der Alten und Neuen Welt jenes Zelebritäten-Koma, das ausbricht, kaum haben sich mal drei Supernasen zugleich an irgendeinem Ort versammelt. Ob Vanity Fair oder Bunte - die Botschaft lautet: Alle hin (und wir auch)!

Sonderbare Gleichzeitigkeiten sind die Folge. Es scheint, als trügen zwei Inseln den Namen Capri. Die eine ist ein Magnet für Touristen, die in sechs Stunden überprüfen, ob es das tatsächlich gibt: Blaue Grotte, Villa Tiberius, Villa Axel Munthe. Ein überstrapazierter Markenartikel, weltbekannt, verkitscht, zertrampelt. Die andere Insel erwacht erst nach 18 Uhr, wenn der letzte Trupp die Funicolare, die Zahnradbahn, hinunter zum Hafen genommen hat. Ausatmen, aufatmen. Jetzt kehrt südliches Laisser-faire auf den Gassen ein, bisschen shoppen, ein Espresso in der Bar Tiberio ...

Voyeure, Menschen also, die selbst die vermutete Nähe zu posh people als Champagnerdusche erleben, kommen auf diesen acht Quadratkilometern großartig auf ihre Kosten. Namen sind Schall und Rauch? Irrtum. Namen sind Fantasie! Sind Mauern, manikürte Gärten, schwere Tore mit schmiedeeisernen Blütenornamenten und Überwachungskameras, das schon eher. Das ist die Villa von Rocco Barocco. Da drüben lugt das Haus von Diego della Valle zwischen Zypressen hervor. Da wohnt Valentino, wenn er im Sommer kommt. Dieses Haus hat Fiona Swarovski gekauft, jetzt hält sie Hof mit Ehemann Nummer drei. So geht es auf Capri alle 50 Meter. Nach vier, fünf Namen erinnert man sich an Sartre: Die Hölle, das sind die anderen.

Allerdings soll es immer noch Menschen geben, die noch nie da waren. Noch NIE. Und das, wo doch Capri ein Ort ist, der vor Schönheit nur so strotzt. Hier und da bietet sich freilich auch Gelegenheit, sich Gedanken zu machen um die Fragilität von Schönheit. Zum Beispiel unten am Hafen, wo Capri etwa so schön ist wie ein verlauster Bahnhofsplatz irgendwo auf der Welt, mit schäbigen Bars und dem Geruch brackigen Wassers. Schön muss man auch den Rummel vor der Blauen Grotte nicht finden, wo durchtrainierte Lizenzruderer noch den unbeholfensten Touris von den Vaporettos in ihre Nussschalen hinab helfen, um im Minutentakt ein Weltwunder vorzuführen. Übrigens wird berichtet, dass immer wieder mal Japaner in Tränen ausbrechen, wenn sie zufällig einen jener Tage erwischt haben, an denen es zu stürmisch ist, um die Grotte zu besichtigen. Grotta azzurro - no!

Alle Logos sind schon da

»Die Blaue Grotte ist bekannter als der Eiffelturm«, sagt Elio Sica, der seit knapp 30 Jahren die Touristenströme auf Capri lenkt. Er sieht nicht besonders glücklich aus dabei. Denn bei 16 000 Tagestouristen liegt die Schallgrenze, mehr ist einfach nicht zu bewältigen. Diese 16 000 bereiten Probleme genug, was den Platzbedarf in den engen Gassen, was Strom, Wasser und Müll betrifft. Derzeit gibt es 60 Schiffsverbindungen täglich nach Capri. Zu gern würden die Reedereien noch mehr einrichten. Aber Signor Sica sagt: Es reicht.

Ein Ort der Gefallsucht also. Weil die Natur so gefällt, wollen auch die Menschen gefallen. So erklärt es sich, dass Capri plötzlich ein Hot Spot sämtlicher angesagter Modemarken wurde. Die winzigen Läden, flagships en miniature, stoßen sich, bildlich gesprochen, die Kaschmir-Ellenbogen in die Rippen - Gucci, Prada, Moschino, Dolce & Gabbana, nicht zu vergessen Roberto Cavalli, der Lieblingsdesigner der Pop-Society.