Die "Frankfurter Rundschau" schreibt heute "Herbe EU-Kritik an Mazedonien", zum selben Thema, gewohnt sperrig, dafür aber informativ in der Überschrift, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Die EU dringt auf Reformen in Mazedonien und schickt einen Sonderbeauftragten". Die "Welt" beklagt heute "Dramatischer Forschermangel in Europa". Die "Süddeutsche Zeitung" hat den Trubel in der CDU auf die erste Seite gebracht. "Union will Sommertheater um Merkel vermeiden." Wirtschaftsthemen im Tagesspiegel. "Lohnnebenkosten belasten Rot-Grün" und natürlich im Handelsblatt "Hoffnung auf Zinssenkung". Die "tageszeitung" sinniert über die Urlaubs-Terroristen, die jeden schönen Wirtschaftsgipfel in ein Chaos verwandeln,("Globales Denken in Grenzen") während die "Bild" die allesentscheidende Frage stellt: "Schumi: Held oder Rüpel?"

Merkel-Bashing

Es gehört ja nun seit einem Jahr zum guten Ton in der CDU, auf deren Vorsitzende einzudreschen. Ob Merz, ob Rühe, Schäuble oder Helmut Kohl, alle scheinen ihre schlechte Laune an Angela Merkel auszulassen, wenn ihnen eine Armada Läuse über die Politiker-Leber gelaufen ist. Dieser Zustand hat nun die "Welt", von je her als reaktionärer Ableger der Frauenzeitschrift "Emma" ein Begriff, auf den Plan gerufen. Wolfram Weiner schreibt: "Die unflätigen Attacken, die dieser Tage der CDU-Vorsitzenden stark zusetzen, haben wenig mit politischer Debatte, aber manches mit Geschlechterressentiments zu tun. Gewiss offenbart Frau Merkel hie und da politische Schwächen, aber welcher Politiker tut das nicht? Bei ihr aber werden politische Differenzen sofort zur Personalie. Ihre ganz persönliche Integrität ist in einer Weise öffentliches Gut, wie das bei Männern nie der Fall wäre." So weit, so gut, so richtig. Aber dann, ach dann kommt wieder so ein unsäglicher Vergleich: "Angela Merkel wird zusehends zur negativen Projektionsfläche von chauvinistischen Vorbehalten; an ihr arbeitet man(n) unterschwellige Ressentiments ab, die woanders längst - politically correct - tabuisiert sind: Vorurteile gegen Karrierefrauen und gegen Ostdeutsche." Frauen und Ostdeutsche sind also Randgruppen? Immerhin bekommt der Kommentator dann doch noch die Kurve: "So müssen wir offenbar alle Fragen der weiblichen Machtstilistik erst an Frau Merkel einstudieren. Auch die der Fairness." Sollte zwar per se vorhanden sein, ist aber nie schlecht, das noch mal zu üben. Die "Süddeutsche Zeitung" beschäftigt sich auch mit Angela Merkel, aber heute ist Kommentator Marc Beise voll des Lobes über den Zehn-Punkte-Plan der Union-Chefin zur Rettung der Konjunktur. " Nahe liegend (und gar nicht utopisch) sind die Vorschläge im Steuerbereich: Das Vorziehen der für 2003 und 2005 geplanten nächsten Steuerreformschritte wäre ebenso eine maßvolle Reaktion auf die Konjunkturschwäche wie die steuerliche Gleichbehandlung der Personen- mit Kapitalgesellschaften, die den verzagten Mittelstand neu motivieren könnten. (...)Bemerkenswert sind Merkels Vorschläge zur Reform des Arbeitsmarktes - ein für die Wirtschaftsentwicklung entscheidendes Feld, auf dem die rot-grüne Koalition bisher sträflich versagt hat." Nun ist ein ehrliches Wort stets, willkommen, besonders wenn heute viele Zeitungen oft unter der politischen Ausrichtung der Chefredaktion leiden. Die "Süddeutsche Zeitung" scheint ein offenes Auge für Argumente jenseits der politischen Grenzen zu haben.

Der Papst ist gut!

Als was würde man die "tageszeitung" mal in einem Moment voller Vorurteile und nebulöser Meinungen in bezug auf ihre religiöse Ausrichtung festlegen wollen? Bestenfalls protestantisch, eher aber zum Atheismus, wahlweise auch Agnostizismus neigend. Auf keinen Fall zu vergleichen mit dem "L`Osservatore Romano" oder schlimmer noch dem "Bayern-Kurier". Dennoch ist man in der "tageszeitung" heute voll des Lobes über Papst Johannes Paul II. "Man kann ein Anhänger von Papst Johannes Paul II. sein oder nicht. Man kann es politisch ungeschickt finden, dass er jetzt die Ukraine besucht und damit indirekt den nicht gerade als Bilderbuchdemokraten bekannten Präsidenten Kutschma stützt. Aber sein Recht, sich überall auf der Welt mit den Nöten und Hoffnungen seiner Schäfchen vertraut zu machen, kann man dem Papst nicht absprechen." Der Grund für die Aufregung: Der Konflikt zwischen dem Vatikan und der russisch-orthodoxen Kirche. "Wie es um die innere Demokratie in der russisch-orthodoxen Kirche steht, kann man schon daran ablesen, dass sie ihre Gemeinden als "primäre Unterabteilungen" definiert." Der ein oder andere mag sich zwar an dieser Stelle an die letztjährigen Maßregelungen des Vatikans in Sachen kirchlich finanzierten Abtreibungsgespräche erinnern, aber Schwamm drüber. Die Ukrainer haben mit Sicherheit grössere Probleme mit ihrer Kirche, wie die "tageszeitung" weiter ausführt. "Die Hysterie der russisch-orthodoxen Kirche in der Papst-Affäre zeugt von ihrer schweren internen Krise. Der - trotz aller Hindernisse - große Erfolg von Protestanten, Katholiken und Baptisten in Russland beweist: Das starke religiöse Bedürfnis der Bevölkerung wendet sich zunehmend solchen Geistlichen zu, die die Kirche mit dem modernen Leben verbinden."

Vergessen?

Ein wenig in Vergessenheit scheint der schwelende Krieg in Mazedonien zu geraten. Diskutierte man vor kurzem noch über einen möglichen Nato-Einsatz, verzichtet man dieser Tage fast völlig auf die Verfolgung der Ereignisse. Die "Frankfurter Rundschau" hat heute immerhin einen Kommentar in ihrer Ausgabe. "Die Probleme in Mazedonien sind militärisch nicht zu lösen. So sagt es Bundesaußenminister Fischer. Das Problem ist nur, dass die mazedonische Regierung anderer Meinung ist und dass auch die Extremisten der UCK immer noch hoffen, mit militärischen Mitteln ihren politischen Zielen näher zu kommen." Die Erkenntnis kommt nicht von ungefähr, denn das EU-Aussenminstertreffen konnte nicht einmal annähernd irgendetwas an den Zuständen in Mazedonien ändern. Und so orakelt die "Frankfurter Rundschau" wahrscheinlich richtig, wenn sie schreibt "So wird der Kleinkrieg weitergehen. Die Rebellen mögen sich aus Aracinovo zurückziehen, nur um im Entspannungsfall woanders wieder aufzutauchen. Doch an diesen Krieg auf Sparflamme darf sich Europa nicht gewöhnen. Es bedarf nur eines "Unfalls" durch die undisziplinierte Truppe oder eines brutalen Überfalls - und Joschka Fischers an sich richtige Bemerkung wäre von der Wirklichkeit eingeholt."