Wie viele absurde Herangehensweisen gibt es eigentlich, Ost-West-Unterschiede herauszuarbeiten? Der „Tagesspiegel“ hat dem Sammelsurium eine weitere hinzugefügt. „Noch schleckt nicht zusammen, was zusammengehört“ dichtet die Zeitung im Lokalteil und stellt fest: Während der West-Berliner am Kugeleis leckt, lobt sich der Ost-Berliner das Softeis. Die dazugehörige Überschrift: „Softeis? Da geben sich die West-Berliner lieber die Kugel“.

Geld zieht sich thematisch durch die ersten Seiten. Die geplante Gesundheitsreform, nach der sich die Bürger mehr an den Gesundheitskosten beteiligen sollen, beschäftigt die „Süddeutsche Zeitung“ und die „tageszeitung“. Wenig positives über die deutsche Konjunktur hat das „Handelsblatt“ zu vermelden. Die Firmeninsolvenzen wachen zweistellig: „Ifo sieht deutsche Wirtschaft am Rande einer Stagnation“ titelt das Blatt. Auch für die Politik wächst der Druck zu handeln. So erklärte die CDU/CSU, sie sei zu höheren Staatsschulden bereit. Vor allem aber verlange sie eine „Konjunkturdebatte“, ist dem Aufmacher der „Frankfurter Rundschau“ zu entnehmen. International richtet sich der Fokus auf Mazedonien. Denn dort wächst die Gefahr eines Bürgerkrieges. Das Thema rückt bei „Tagesspiegel“ und „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ an erste Stelle.

Die Christen und LER

Auf das kleine Fach LER (Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde) im für viele fernen Brandenburg schaut die Nation: Eltern klagten vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Abschaffung des christlich-konfessionellen Religionsunterrichts als Lehrfach in Brandenburg. Die Klage hat erneut grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Staat und Kirche aufgeworfen, unter anderem die Überlegung, inwieweit ein Bundesland die Möglichkeit des Einzelnen zum religiösen Bekenntnis fördern sollte, selbst wenn das nur eine Minderheit betrifft. Dankbar ist Matthias Drobinski in der „Süddeutschen Zeitung“, dass das Brandenburger Fach die Debatte um die Religionsfreiheit angekurbelt hat. Einer sich säkulararisierenden Gesellschaft mit ihrem zunehmenden Religionspluralismus werde das konventionelle Fach Religion nicht gerecht, so der Kommentator. „Ethik fristet im Westen oft das gleiche Schattendasein wie Religion in Brandenburg.“ Diese Aussage beinhaltet gleichzeitig auch Kritik. Denn kein Land lasse die Kirchen ihre Minderheitensituation mit derartiger Härte spüren wie Brandenburg, so Drobinski. „Wo der Westen sein Problem mit der negativen Religionsfreiheit hat, der Freiheit von Religion also, haben es die Brandenburger mit der positiven Religionsfreiheit – beide aber gehören unbedingt zusammen.“

Dass es in der Gesellschaft keinen Grundkonsens mehr über den Umgang mit Religion in der Erziehung gebe, bereitet Ulrich Clauss in der „Welt“ deutliches Unbehagen: „Einwanderer konfrontieren uns mit fremdem Glauben, von den entkirchlichten Brachen der ehemaligen DDR geht ein – sozusagen posthum wirkender – Kulturkampf aus, der noch lange nicht ausgestanden ist.“ Um die Dramatik der Situation zu unterstreichen, wartet Clauss sogar mit dem sonst zurzeit ruhenden Merz-Begriff auf: „Wollen wir nicht auf einen christlichen Konsens völlig verzichten, müssen wir uns doch noch einmal über unsere Leitkultur gründlich unterhalten. Andernfalls wird die Selbst-Säkularisierung dieses Landes unaufhaltsam voranschreiten.“

Der „Tagesspiegel“ betont, dass die Trennung von Staat und Kirche offiziell bereits 1919 vollzogen wurde, die Kirche aber mit quasi-hoheitlichen Privilegien abgefunden wurde. „Dazu gehört die Stellung als öffentlich-rechtliche Körperschaft, [...] ebenso wie die Pflicht zum Angebot eines Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Der reguläre religiöse Horizont sei damals christlich gewesen. Heute allerdings habe sich die Situation geändert, und nicht nur im Osten: „Es ist gewiss richtig, dass die kirchenfeindliche SED-Diktatur den Säkularisierungsprozess beschleunigt hat. Aber er fand auch im Westen statt. Gleichzeitig muss sich der Religionsbegriff des Grundgesetzes mit den Folgen der Migration anfreunden.“

Die Nato und Mazedonien