Schadenfreude ist die schönste … aber, nein: So darf man doch nicht denken! Offiziell jedenfalls nicht. (Tut man aber doch.) Aber nun schauen wir auf Dresden: Dort hat sich bei der Oberbürgermeisterwahl auch im zweiten Wahlgang der Sieger des ersten Wahlgangs durchgesetzt, der FDP-Mann Ingolf Roßberg, der von einer Initiative in den Sattel gesetzt und von einem bunten Parteienbündnis unterstützt wurde (Dank an einige Leser für präzisierende Korrekturen zur ersten Kolumne im ersten Wahlgang!). Was der Mann leisten kann, wird man noch sehen müssen. Dazu heute nicht mehr als damals, als es darum ging, Kurt Biedenkopfs Bemerkung zu bestaunen, man wolle in Dresden keinen „solchen Schrott“. Immerhin hatten die Dresdner nun ja genügend Gelegenheit, noch einmal nachzudenken – über die Warnung und den Wahnsinn; und den Wahn des Patriarchen.

Warum nun heute erneut zur Feder gegriffen? Wegen der Schadenfreu… - und wegen des selbsternannten, gleichwohl durchgefallenen Bergatschows von Dresden, des deus ex machina namens Wolfgang Berghofer, vormals SED und schon einmal OB von Dresden. Monatelang hatte Berghofer mit einer Kandidatur kokettiert, dann – wohlweislich, wie man jetzt sieht – davon Abstand genommen, um nun doch nach dem ersten Wahlgang, in dem es keinen definitiven Sieger gab, rechtzeitig vor dem zweiten Wahlgang seinen Hut in den Ring zu werfen: macht genau 12,2 Prozent.

Ob das nun ein Manöver war, um indirekt dem CDU-Mann Wagner (und dem Noch-Landeschef Biedenkopf) einen Gefallen zu tun und Roßberg den Weg ins Ratshaus zu verlegen: Ich zweifle. Das setzt ja ein hohes Maß taktischer Intelligenz und tatsächlicher Menschenkenntnis voraus. Aber kann man diese Eigenschaften jemandem zusprechen, der weit vor der Wahl sich derart auffällig in Szene setzt – nur, um dann rechtzeitig von ihr zu verschwinden: und nur, um dann wieder wie Ziethen aus dem Busch wieder auf derselben aufzuleuchten? Irgendwie wirkt es auf mich beruhigend, dass die Dresdner Wähler sich von derlei Irrlichtereien nicht haben irre machen lassen in ihrem ursprünglichen Urteil. Zu hoffen bleibt, dass sie damit auch auf Dauer richtig liegen.

Beunruhigend bleibt allerdings jenes andere: Die Tatsache, dass selbst im zweiten, dem nun doch etwas spannenderen Wahlgang kaum wesentlich mehr BürgerInnen zur Wahl gegangen sind. Haben die etwa zu viel aus ihrer vormaligen Monarchie und deren Übergang zur Demokratie gelernt und sagen nun mit weiland König August: "Macht Euern Dreck alleene!"? – Ja, ja – aber wer macht ihn wieder weg??

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