Hier ist noch jeder Kultursenator gescheitert, ob er Peter Radunski, Christa Thoben oder Christoph Stölzl hieß, ob er sparen wollte oder nicht sparen wollte, ob er Bühnen zur Schließung oder zur Förderung vorschlug. Die Abgeordneten forderten erst Konzepte und erklärten dann jede Umsetzung für unmöglich. Alles sollte anders, aber nichts angetastet werden. Es war ein diabolisches Spiel, das nach demokratischen Regeln nicht gewonnen werden konnte und nicht gewonnen werden sollte; und zwar unabhängig von der Person, die den Part des Kultursenators zu übernehmen versuchte. Vor dem Berliner Parlament wird jeder Kulturpolitiker zum anonymen User; er bekommt zwar, anders als in der Computerwelt, fürs Herunterladen des teuflischen Spiels ein Gehalt, aber dafür steht seine Niederlage fest. Die Rolle einer Lara Croft, auf die manche jetzt hoffen, ist in Wahrheit nicht programmiert; und selbst Gregor Gysi, den andere gerne als Super-Mario im Spiel gehabt hätten, wird nicht als Kultursenator siegen, sondern im besten Fall als lädierter Klempnermeister wieder aussteigen. Es sei denn ...

Es sei denn, der große Programmierer will es anders. Denn das ist die bittere Pointe der Berliner Politik, dass der Erfinder des Teufelsspuks, der bisherige Meisterverhinderer aller Initiativen, der sozialdemokratische Fraktionschef Klaus Wowereit, nun Regierender Bürgermeister (mindestens bis zur vorgezogenen Wahl) ist. Verzweifelt haben sich in den letzten Monaten manche gefragt, wer denn Nutzen ziehe aus dem Horrorspiel der kulturpolitischen Totalblockade. Jetzt wissen sie's. Es ist Wowereit, den die Obstruktion zum Sieg geführt hat. Anmutig verbeugt sich der Folterer vor seinen Opfern; fast sieht es aus, als fühlte er sich von ihnen bewundert. Tatsächlich steht sein Geniestück aber noch bevor. Wenn der Sadist nicht heimlich davon träumt, zum Masochisten zu werden, und seinen eigenen Praktiken zum Opfer fallen will, muss er das Spiel umprogrammieren: von Niederlage auf Sieg! Und diesen Sieg muss er höchst selbstlos an einen Kultursenator delegieren, wer auch immer das sein wird. Es sei denn ... Es sei denn (bei Wowereit kann man nie wissen), er hat auch noch die Rolle der Lara Croft für sich selbst reserviert.