Zwei Dinge brauchen die Mobilfunkkonzerne in Europa ganz besonders: Jede Menge Geld und positive Signale. Denn allesamt stecken sie in der Bredouille. Angesichts der horrenden Investitionen für die neue Technik UMTS geraten sogar die großen Telefongesellschaften in Europa in Erklärungsnot, ob und wie sie das viele Geld für die Lizenzen und den Aufbau der Netze künftig wieder hereinspielen können. Ihre Schuldenberge sind dramatisch gewachsen.

Wenigstens eine gute Botschaft können die gebeutelten Konzerne inzwischen verbreiten: Sie dürfen beim Aufbau der neuen Netze unter ganz bestimmten Bedingungen kooperieren. Das senke die Kosten und entlaste die Budgets, lobten zunächst vor allem die kleinen und neuen Anbieter in diesem Geschäft. Etwas voreilig, wie es scheint.

Neben den bereits aktiven Mobilfunkern hierzulande (T-Mobil, D2 Vodafone, früher Mannesmann, E-Plus und Viag Interkom) gehen demnächst noch zwei weitere an den Start: Mobilcom und die Group 3G, ein Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefónica Moviles und der finnischen Sonera.

Allesamt sind laut Lizenz verpflichtet, bis zum Jahre 2005 die Hälfte der Bevölkerung mit ihren Angeboten versorgen zu können. Alle sechs müssen ebenso, auch das wurde festgeschrieben, die aufwändige Technik - unabhängig voneinander - installieren. Zwischen sechs und acht Milliarden Mark wurden dafür bislang veranschlagt; pro Unternehmen, versteht sich und zusätzlich zu den jeweils 16 Milliarden Mark, die allein für die Lizenz fällig waren.

Kaum hatte die Regulierungsbehörde ihr Jawort zur bedingten Kooperation gegeben, wurde auch schon die erste verkündet: Die Deutsche Telekom und BT wollen in Großbritannien und Deutschland künftig gemeinsam zu Werke gehen. Schon heute nutzt die Münchner BT-Tochter Viag Interkom in Deutschland das Netz der Telekom dort, wo sie selbst mit eigener Infrastruktur nicht vertreten ist.

Auch andere Anbieter wie E-Plus, Mobilcom und G3, beeilten sich, ihre Bereitschaft zur Paarung auszusenden. Das wirkte. Nach einer bedrückenden Phase der kollektiven Nörgelei an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der neuen Technik scheint die Stimmung umzuschlagen. Die trudelnden Kurse etlicher Telefonkonzerne fingen sich jedenfalls wieder. Kein Wunder also, dass sich selbst bei D2 Vodafone der Wind inzwischen dreht, obwohl sich deren britischer Chef, Chris Gent, bislang eher als Einzelkämpfer gerierte.

Allerdings könnte der positive Effekt nur von kurzer Dauer sein. Denn bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass der ganze Wirbel, zum Teil jedenfalls, aus heißer Luft besteht.