Es ist die Woche vor dem Festival, es gibt also viel zu tun. Ein normales Festival ist schon anstrengend genug, aber dieses Jahr ist alles anders. Am DONNERSTAG habe ich meinen ersten Arbeitstag in unserem neuen Büro, das am Mittwoch auf das Festivalgelände verlegt wurde. Ich werde also Stecker in Steckdosen stecken, Kabel verbinden und probieren, ob alles funktioniert: Telefone, Computer, Faxgeräte. Meine Matratze werde ich auch schon ausgebreitet haben: Wie viele unserer Mitarbeiter werde ich drei Wochen lang auf dem Gelände wohnen. Es gibt unzählige Teams: Die einen bauen die sieben Bühnen auf, die anderen die Campingplätze, die Toiletten. Ich kümmere mich vor allem um die gute Stimmung. Wir haben ungefähr 20 000 ehrenamtliche Helfer. Innerhalb einer Woche wird sich eine Fläche von 160 Hektar in eine provisorische Festivalstadt verwandeln.

Am FREITAG bekommt meine Tochter ihr Abschlusszeugnis am Gymnasium überreicht, da will ich natürlich dabei sein. Danach muss ich anfangen, mich um die Medien zu kümmern. Das Thema Sicherheit ist dieses Jahr natürlich besonders wichtig. Die Sicherheitskräfte für den Bühnenbereich haben alle einen Kurs absolviert, auf dem Gelände werden ihnen dann noch mal die Details erklärt. Die Bereiche vor den großen Bühnen werden wir durch Gräben unterteilen und dort nur eine begrenzte Anzahl von Leuten hineinlassen, darunter auch, als so genannte menschliche Sensoren, unsere Mitarbeiter.

Sie werden das Publikum beobachten und Kontakt mit den Security-Managern auf der Bühne halten. An den Bühnenrändern werden große Texttafeln mit Sicherheitshinweisen stehen. Wir haben das gesamte Festival völlig neu durchdacht. Die meisten Konzertveranstalter behandeln ihre Sicherheitsprüfungen als Geschäftsgeheimnis, wir haben den ganzen 75-seitigen Bericht auf unsere Internet-Seite gestellt.

Am SAMSTAG ist Sankt-Hans-Nacht, ein traditionelles dänisches Mittsommernachtsfest, bei dem wir eine Hexe verbrennen, natürlich nur symbolisch. Die Stadt Roskilde hat mich gebeten, am Lagerfeuer eine Rede zu halten. Wir wurden oft gefragt, warum wir das Festival weitermachen. Wir sind keine Geschäftsleute, sondern eine gemeinnützige Organisation. Wir sehen das Festival als Teil einer Kultur, die wir am Leben erhalten möchten. Ich habe die Eltern der meisten Toten getroffen, das hat mich sehr berührt. Was immer es kosten mag, die Sicherheit zu erhöhen, wir werden es tun.

Ab SONNTAG müssen an jedem Zaun und jedem Eingang Sicherheitskräfte stehen, rund um die Uhr. Die ersten Gäste kommen, von da an muss die gesamte Logistik funktionieren. Es werden zuerst nur ein paar tausend Leute sein, aber man kann schon spüren, dass die Musik bald losgeht. Ich hoffe, ich finde am MONTAG noch ein paar Stunden Zeit, meinen Geist von den vielen Sorgen und Bedenken zu befreien, damit ich wirklich frisch bin, wenn es losgeht.

Vielleicht laufe ich eine Runde durch den Wald am Roskilde-Fjord oder fahre mit dem Rad herum, um mich noch mal daran zu erfreuen, dass die Natur grün ist und da oben die Sonne scheint.

Am DIENSTAG werden dann schon einige zehntausend Menschen auf dem Gelände sein. Um ihnen das Warten zu verkürzen, haben wir ein kleines Kino eingerichtet und lassen einige Nachwuchs-Bands auftreten. Langsam wird es hier so lebendig wie in einer Großstadt. Roskilde hat 50 000 Einwohner, während des Festivals wird sich die Zahl verdreifachen, obwohl wir die Tickets auf 70 000 Stück beschränkt haben. Unsere Überschüsse spenden wir: Letztes Jahr haben wir rund eine Million Mark an die UN-Hungerhilfe gespendet und an die Organisationen Human Rights Watch und Ärzte ohne Grenzen.