In den USA herrscht Rezessionsgefahr. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit werden die Aussichten für Wachstum und Beschäftigung derzeit erheblich ungünstiger beurteilt als noch vor wenigen Wochen. Eine der maßgeblichen Ursachen ist die heftige konjunkturelle Abkühlung in den Vereinigten Staaten, deren Konsequenzen nunmehr global spürbar werden. Und wie schon bei der Krise in asiatischen Schwellenländern Ende der neunziger Jahre erweist sich keine der bedeutenden Wirtschaftsregionen als immun gegen die Schwäche.

Im Zeitalter der Globalisierung breiten sich wirtschaftliche Impulse rasant und mit hoher Intensität aus. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die immer intensiveren Handelsbeziehungen. Wird die wirtschaftliche Dynamik in einer bedeutenden Volkswirtschaft wie den USA schwächer, vermindern sich deren Importe in der Regel rasch. Die Importe in die USA sind zum Beispiel die Exporte aus Deutschland, wo in der Folge die Produktion unmittelbar beeinträchtigt wird. Genau dies ist derzeit eine der wesentlichen Belastungen für die Konjunktur. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich Handelsbeziehungen nicht nur in einem bilateralen Pingpongspiel vollziehen, sondern einer multinationalen Kettenreaktion gleichen. Schließlich sind nicht nur die Exporte aus Deutschland in die USA betroffen, sondern auch die etwa aus Frankreich. Also ist auch die französische Wirtschaft belastet, folglich leiden nicht nur die deutschen Lieferungen in die USA, sondern auch die nach Frankreich und - letztlich - in alle übrigen Exportregionen. Das Argument, die Länder des Euro-Raums exportierten nur knapp zehn Prozent ihrer Produktion, trägt also nicht. Es ist gerade die Kumulation negativer Handelseffekte, die von den Prognostikern zumeist unterschätzt wird.

Die Konjunkturschwäche in den USA verbreitet sich aber nicht nur über die Gütermärkte, sondern noch viel rascher über die Kapitalmärkte. Die taumelnden Aktienkurse waren Vorboten der konjunkturellen Schwächephase

sie gehen zumindest mit ihr einher. Bei den engen weltweiten Kapitalverflechtungen bleibt ein Kursverfall auf einem so wichtigen Markt wie den USA nicht auf diesen beschränkt, sondern pflanzt sich unmittelbar auf die übrigen bedeutenden Börsen der Welt fort. Dies hat gerade die jüngste Entwicklung an den Börsen auf sehr schmerzhafte Weise gezeigt. Damit verschlechtern sich jedoch die Finanzierungsbedingungen für Investitionen nicht nur im Ursprungsland der Krise, sondern auch anderenorts. Dieser Dominoeffekt ist besonders bedeutsam im Zeitalter multinationaler Unternehmen, die weltweit Handel treiben und deren Aktien weltweit notiert werden. Wird der Wert von Unternehmen global bestimmt, dann hat jede regionale Krise globale Konsequenzen. Denn die Rentabilität des Wertpapiers ist in den Augen aller internationalen Anleger gesunken, und deren Bereitschaft zu Investitionen in Wertpapiere nimmt ab.

Aber auch jenseits des Handels, sei es mit Gütern, sei es mit Kapitalanlagen, zeigt der Abschwung in den USA weltweit Folgen. Allein die Information über konjunkturelle Schwächetendenzen in einer bedeutenden Volkswirtschaft wie den USA kann einen Vertrauensverlust in die künftige wirtschaftliche Entwicklung sowohl bei Unternehmen als auch bei Verbrauchern auslösen, der schon für sich genommen realwirtschaftliche Konsequenzen haben kann. Sehen die Unternehmen schlechtere Absatzchancen voraus, reduzieren sie ihre Investitionen.

Befürchten die Haushalte eine schwächere Konjunktur mit erhöhtem Risiko für den Arbeitsplatz, vermindern sie ihren Konsum. Beides schwächt unmittelbar die wirtschaftliche Entwicklung.

Besteht eine Chance, sich vor diesen negativen Folgen einer weltwirtschaftlichen Abschwächung zu schützen? Falsch wäre der Glaube, es sei vorteilhaft, das Rad der Globalisierung zurückzudrehen. Schließlich würde man sich dann auch um die positiven Effekte des Welthandels bringen, die beispielsweise fast während der gesamten neunziger Jahre durch den rasanten Aufschwung in den USA entstanden sind. Gerade Deutschland, dessen Exporte in die USA noch im vergangenen Jahr mit einer zweistelligen Rate zugenommen haben, hat hiervon profitiert. Sinnvoller ist es, weltwirtschaftlichen Abschwächungen mit einer gefestigten Binnennachfrage zu begegnen. Nur wenn Unternehmen stabile Absatzchancen im Inland sehen, bleiben die Konsequenzen internationaler Krisen begrenzt. Nur wenn die Verbraucher keine bedeutsamen Gefahren für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze befürchten, bleibt ihre Kaufneigung erhalten.