Die nächste Welle kommt bestimmt, und diesmal wird sie was mit Esoterik zu tun haben. Sagt das Trend-O-Meter Sylvie Fleury. Die Künstlerin aus Genf hat wiederholt ihren ganz persönlichen Hedonismus ins Museum gehievt und damit weite Kreise im Karpfenteich des Kunstbetriebs gezogen. Sie stellte die Beute von Shoppingstreifzügen auf Podeste - und wurde zur Leitfigur des Crossover von Mode und Kunst. Sie hat die Motoren ihrer Lieblingsautos in Bronze gießen und verchromen lassen - und wurde zur Heldin einer postfeministischen Kunst, die mit lässiger Gebärde durch Männerdomänen braust. Nun also Übersinnliches: Schon der Titel ihrer Werkschau in Karlsruhe, 49000, verweist auf die Wellenlänge einer geheimnisvollen Strahlung. Ein putziges goldenes Ufo ist im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie gelandet, Kojen sind mit Bildern der sagenumwobenen Kornfeldbilder tapeziert, ein Aura-Bureau und ein regenbogenschimmernder Farbtherapie-Gang sollen die Seele gesunden lassen.

Über allem wacht ein 5,5 mal 24 Meter großes Augenpaar, ein Meditationssymbol als Wandmalerei. Das ist wie immer bei Fleury nicht kulturkritisch oder gar denunziatorisch gemeint, sondern voller Begeisterung für die Kraft, die im unreflektierten Glauben an einen Fetisch steckt, sei er nun aus der Vogue oder sonstwo en vogue (bis 26. August).