Mit den Worten Ich bin schwul, und das ist auch gut so beendete Klaus Wowereit, neuer Regierender Bürgermeister von Berlin, seine Rede vor den Delegierten des Nominierungsparteitages. Dieser Ausspruch machte den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Nu zu einer nationalen Bekanntheit: Es folgten Auftritte in Talkshows, und die überregionale Presse widmete sich dem Thema.

Dabei wurde über die taktische Komponente dieses Outings spekuliert. Es hieß, Wowereit habe einer Kampagne in den Boulevardblättern der Stadt zuvorkommen wollen. Andere vermuten, dass er mit seinem Coming-out von der geplanten Zusammenarbeit seiner Partei mit der PDS ablenken wolle. Auch der Talkmaster Alfred Biolek (Boulevard Bio), bekennt sich zu seiner Homosexualität - allerdings wurde er vor zehn Jahren von dem Regisseur Rosa von Praunheim geoutet: gegen seinen Willen.

Das Coming-out eines Spitzenpolitikers ist ein ganz außerordentlicher Vorgang. Dass Klaus Wowereit, noch bevor er sich um das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin bewarb, sein Schwulsein öffentlich machte, hat mich sehr überrascht. Zugleich hat mich sein Bekenntnis gefreut. Es zeugt von Mut.

Das muss ich leider sagen. In einer Zeit, in der wir über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sprechen, ist es eigentlich ganz schrecklich, dass sich Politiker, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften führen, immer noch verstecken müssen oder glauben, sich verstecken zu müssen.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin damals von Rosa von Praunheim gegen meinen Willen geoutet worden. Insofern liegt der Fall anders: Wowereit hat den Zeitpunkt seines Coming-outs selbst gewählt. Meine Situation war damals ziemlich unangenehm. Inzwischen sage ich: Es hätte mir nichts Besseres passieren können. Doch ich will nichts verniedlichen. Ich habe - so habe ich einmal formuliert - damals durch diese Outing-Geschichte einen ganz schweren Schlag in meinen Rücken bekommen. Aber genau an der Stelle, wo der Schlag mich traf, war eine starke Verspannung. Und die hat sich durch diesen Schlag, der sehr wehgetan hat, gelöst. Und darüber bin ich bis heute froh, es war geradezu fantastisch, im Nachhinein.

Ob das für Wowereit genauso sein wird, da bin ich noch etwas skeptisch.

Jedenfalls wäre ein solcher Vorgang in anderen Parteien vermutlich nicht möglich gewesen. Zumindest nicht in der CDU, wahrscheinlich auch noch nicht mal in der sich liberal gebenden FDP. Selbstverständlich müssen wir dahin kommen, dass ein solches Bekenntnis von allen Parteien mit der gleichen Leichtigkeit aufgenommen wird wie jetzt offenbar von der Berliner SPD.