Nehmen wir die deutsche Durchschnittsfamilie: Vater, Mutter, Kind. Er berufstätig, sie Hausfrau. Er fährt zur Arbeit, sie bleibt zu Hause. Nein, bleibt sie natürlich nicht. Sie geht zum Bäcker, zum Supermarkt, bringt das Kind in die Schule, und wenn sie heimkommt, wäscht sie ab, putzt die Fenster und bügelt Hemden. Kurz, auch sie arbeitet. Und seit neuestem steht ihr dafür auch ein Gehalt zu. Allerdings muss sie sich vorher scheiden lassen.

Vergangene Woche hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass auch Hausarbeit als wohlstandsschaffende Erwerbsarbeit zu sehen ist. Bisher hatten Frauen, die schon während der Ehe berufstätig waren, Anspruch auf höheren Unterhalt als Frauen, die erst nach der Scheidung einen Job annahmen und sich zuvor um Kinder und Küche gekümmert hatten. Die Hausarbeit wird nun der Erwerbsarbeit gleichgestellt. Denn, so der BGH, auch Haushaltsführung und Kinderbetreuung erhöhen den Lebensstandard (siehe nächste Seite "Das Urteil").

Obwohl Juristen, haben die Bundesrichter implizit eine alte ökonomische Frage beantwortet: Was ist der monetäre Wert der Hausarbeit? Bei Piloten, Krankenschwestern oder Fußballspielern gibt der Arbeitsmarkt die Antwort.

Zwar kann man argumentieren, das gezahlte Gehalt entspräche nicht immer dem "wahren Wert" der jeweiligen Tätigkeit. Wie aber bestimmt sich der "wahre Wert"? Der monetäre Wert jedenfalls bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage und meistens auch durch die Marktmacht von Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Nur, für die Arbeit von Hausfrauen gibt es keinen Markt. Was also ist deren monetärer Wert?

Mann und Kind als Kunden?

Der Bundesgerichtshof ist bei seiner Antwort dem ökonomischen Konzept der Opportunitätskosten gefolgt. Demnach ist jede Entscheidung eines Menschen mit Kosten verbunden, selbst wenn es nur darum geht, ins Kino zu gehen und selbst wenn er eine Freikarte hat. Es sind die Kosten, die durch den Verzicht auf die Alternative entstehen.