Spätestens seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wächst der Umfang von Qualifizierungsmaßnahmen insgesamt. 1997 glaubten nur 34% der Deutschen, auch ohne Weiterbildung gute Chancen in ihrem Beruf zu haben - so die vom Bildungsministerium (BMBF) veröffentlichte "Studie Berichtssystem Weiterbildung VII".

In Ost wie West konkretisieren die Menschen den Slogan vom "lebenslangen Lernen" in Anforderungen an sich selbst. Ablesbar ist dies zum Beispiel an den Prüfungen, die vor den Industrie- und Handelskammern abgelegt wurden. Letztere registrierten für 2000 einen Anstieg um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Beliebt waren die Qualifizierungen zum Fachwirt, insbesondere zum Bankfachwirt, ferner standen die Abschlüsse Pharmareferent und Handelsfachwirt in der Gunst der Bildungswilligen. Möglicherweise durch die Konkurrenz neuer Berufe verzeichnete der Bilanzbuchhalter ein leichtes Minus.

Um eindrucksvolle 25 % nach oben stiegen die Fremdsprachenprüfungen - deutliches Zeichen, dass viele Bewohner dieses Landes mental bereits in Europa angekommen sind. Was man von den Weiterbildungsanbietern nur bedingt behaupten kann. Im Auftrag des BMBF erstellte die Unternehmensberatung Arthur Anderson die "Studie zum europäischen und internationalen Weiterbildungsmarkt".

Darin wird zwar die inhaltlich hohe Qualität der Weiterbildungsangebote in Deutschland gelobt, jedoch bemängelt, dass diese oft eher lokal und regional als national oder gar europäisch ausgerichtet seien. Ferner seien die angebotenen Veranstaltungen zu wenig nachfrageorientiert, zudem mangele es an fremdsprachigen Angeboten, international marktfähigen Abschlüssen und begleitenden Serviceleistungen. Bezeichnend für das Interesse an den Ergebnissen ist, dass die Anfang Juni veröffentlichte Studie bereits vergriffen ist - beim BMBF kann man sich lediglich für die nächste Auflage vormerken lassen.

Vielleicht ändert sich an diesen Kritikpunkten etwas durch das EU-Programm "E-Learning", das vor dem Hintergrund eines drohenden Mangels von 1,3 Millionen Fachkräften verabschiedet wurde. In seinem Mittelpunkt steht die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und ihre Nutzung für pädagogische Zwecke. Neben anderem nennt der Plan folgende Ziele:

Neben Qualitätssteigerung und Qualitätsmessung (dem so genannten 'Benchmarking') sind virtuelles Lernen und selbstbestimmtes Lernen auf dem Vormarsch. In der Bundesrepublik sind kostenpflichtige "Fernlehrgänge" bereits seit 1980 zulassungspflichtig. Als Aufsichtsbehörde fungiert die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln. Auf deren Website findet sich Listen mit sämtlichen zugelassenen Fernlehrgängen und den 808 anbietenden Instituten.