Es gibt jedoch BahnCard-Anhänger, die sich Änderungen in ganz anderer Hinsicht wünschten. Denn nicht immer klappt der Umgang mit der Karte so nutzerfreundlich wie erhofft. Wer seinen Antrag gestellt hat, erhält sogleich und vorläufig eine fahrkartengleiche Papierkarte. Auf den richtigen, kreditkartengroßen Ausweis mit Foto heißt es warten - mitunter wochenlang. In einem krassen Fall sogar vier Monate. Ein wohlmeinder ICE-Schaffner aus dem Sächsischen jedoch trug dem Reisenden Hilfe an: Er habe eine Freundin, die kenne jemanden bei einer Reiseagentur, und die könnte helfen, schneller zu einer BahnCard zu kommen ...

Jeden Monat werden 300 000 Stück vom Bertelsmann Marketing Service in Schortens bei Wilhelmshaven für den Versand zurechtgemacht. "Zehn Tage sollte es dauern", sagt Sandra Kuhrt, Leiterin Kundenbindung im Personenverkehr bei der DB. Der flotte Versand "klappt in über 90 Prozent der Fälle". Als Hauptgründe für Verzögerungen nennt Sandra Kuhrt: Das Foto fehlt - vor allem, wer die Familienkarte beantragt, vergisst schon mal die Bilder der Kinder oder lichtet alle Lieben zusammen ab; der Antrag ist nicht vollständig oder fehlerhaft ausgefüllt; die Schrift kann nicht gelesen werden - der Antrag bleibt in der Verkaufsstelle zu lange liegen.

Wer sich allerdings für ein Abonnement entschieden hat, wie etwa ein Viertel der BahnCard-Nutzer, bekommt die Karte, die dann 13 Monate gilt, automatisch zugeschickt. Und ist dem Problem enthoben, mit just vor einem Tag abgelaufener BahnCard ertappt zu werden. Sofortiges Nachlösen im Zug? Fehlanzeige. "Das hält den Zugbegleiter ungemein auf, er soll sich um die Kunden kümmern", sagt Sandra Kuhrt. So kann es zum peinlichen Showdown kommen, bei dem sich manch sensibler Fahrgast in die Rolle des Betrügers gedrängt fühlt, wenn zum Beispiel die ungültige Karte eingezogen oder öffentlich gar zerschnipselt wird. Auf jeden Fall muss der volle Fahrpreis gelöhnt werden. Wer dann allerdings sofort zur nächsten Fahrkartenausgabe eilt und die neue Card beantragt, erhält die Differenz, abzüglich zehn Mark Bearbeitungsgebühr, zurückerstattet. Damit es allerdings erst gar nicht so weit kommt, schickt die Bahn etwa acht Wochen vor Ablauf einen neuen Antrag zu. Das liegt, so Sandra Kuhrt, deren wichtigstes Argument zur Kundenbindung die Karte ist, "im ureigensten Interesse der Bahn".

Nachlösen heißt es ebenfalls unerbittlich, wenn die BahnCard mal nicht im Portemonnaie steckt, sondern daheim auf dem Schreibtisch liegt. Auch hier gibt's aber anschließend Rückerstattung. Ist sie jedoch geklaut worden oder verloren gegangen, wird zur Kasse gebeten. 30 Mark Bearbeitungsgebühr kostet die Ausstellung der neuen.

Bislang die Hälfte des Kartengrundpreises, also nur 135 Mark, zahlen Senioren ebenso wie Ehe- oder Lebenspartner für die Zweitversion. Allerdings nur, wenn sie denselben Wohnort haben. Verliebte Pendler bleiben außen vor. Sonst würde jeder sich einfach einen Partner aussuchen, um billiger zu fahren, so das Argument der Bahn. Auch wer für 70 Mark die Familienkarte gekauft hat, kann sie nicht uneingeschränkt nutzen: Zwar kann sich jedes Kind allein auf die Reise machen, wenn Mutter oder Vater aber mal solo Zug fahren wollen, hilft ihnen die Familienkarte nichts. Sie dürfen nur in Begleitung eines Sprösslings auf die Strecke gehen. Die Familie soll auch als Familie reisen. "Wir wollen nicht, dass die Kunden nur den Preis ausnutzen", kommentiert Sandra Kuhrt.

Außerdem gilt: Gekauft ist gekauft. Wer sich einmal für die BahnCard erster Klasse entschieden hat, muss auch dabei bleiben. Er kann damit zwar auch zweiter Klasse fahren, umtauschen jedoch ist innerhalb der Geltungsauer nicht drin. "Da gibt's keine Kulanz. Sonst gäbe es nur noch Kulanz." Auf einen mitfühlenden Zugbegleiter kann jedoch hoffen, wer mit seiner Zweiter-Klasse-Karte aus Platznot in die erste wechseln will. "Wenn's brechend voll ist", sagt Sandra Kuhrt, kann schon mal ein Auge zugedrückt und für den Klassenwechsel nicht der volle Aufpreis, sondern nur der BahnCard-Tarif kassiert werden.

Bleibt also nur noch abzuwarten, ob mit der neuen BahnCard alles besser wird. Und ob sie drei Millionen treuer Kunden behält.