Tag, Frau Heiligtag. Hier Bedürftig. Ich verbinde Sie mit Herrn Seelemann." Ein Telefonat, wie es meine Frau des Öfteren zu führen hat. Sie arbeitet beim Leiter des Kirchenamtes Alt-Hamburg, Oberkirchenrat Seelemann, Frau Heiligtag in derselben Funktion in Kiel beim Landeskirchenamt. Nomina können ganz schön Omina sein, wie auch Frau Gitta Trauernicht weiß, die zu ihrer Freude vor einigen Wochen zur Ministerin und Stellvertreterin des Ministerpräsidenten in Niedersachsen avanciert ist.

Und ich kann natürlich sowieso ein Lied davon singen. Deswegen schaute ich neulich mal eitel ins Internet, ob ich da auch vorkomme. Und siehe da: eine ganze Reihe Nennungen. Einige sah ich mir an. Es war das Übliche: ein paar meiner Bücher, Rezensionen dazu, Leserbriefe, Zeitungsartikel. Dann zeigte mir die Suchmaschine google.de einen Eintrag mit dem Titel Ohne Titel. Am Fuß dieser Einträge steht immer die Internet-Kennung, in diesem Fall www.bloedenamen.de. Man kann sich denken, dass mir das zu denken gab und ich natürlich reinschauen musste ins Angebot.

Eine Web-Seite erschien, auf der eine Institution mit der besagten Internet-Adresse besonders kuriose deutsche Namen, zuweilen in noch ulkigerer Kombination mit dem Beruf der fraglichen Person, auflistet. Man bekommt zunächst eine Aufstellung der neuesten Trouvaillen sowie Hinweise darauf, dass sofort der eigene Name gelöscht werde, wenn sich wer beleidigt fühlt: E-Mail genügt, einfach anklicken. Es folgt eine Kurzdarstellung der Aufnahmekriterien; zum Beispiel keine Mehrfachnennungen, sonst bestünde die Liste zu einem erheblichen Prozentsatz aus dem Namen Fick und entsprechenden Ableitungen. Die Deutschen halten Zotiges offenbar immer noch für das eigentlich Witzige. Humor siedelt hierzulande vornehmlich südlich des Bauchnabels, weswegen auch nicht der Bundesfinanzminister, sondern ein Gynäkologe gleichen Namens aufgeführt ist.

Die Liste speist sich nämlich aus Einsendungen, wozu es in einer Leiste neben den Erläuterungen Kästchen zum Notieren komischer oder eben "blöder" Namen gibt; die jeweilige Quelle ist zu nennen, erwünscht ist auch die Angabe des Berufs der fraglichen Person. Die Einträge gehen dann per E-Mail an bloedenamen.de, wo man sie von einem Experten begutachten lässt, der zufällig so heißt wie der Hund der einstigen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (auch nicht unlustig): Dr. Martin Luther. Namensgleichheit mit Prominenten aus Geschichte und Gegenwart kann in besonders heftigen Fällen (beispielsweise Adolf Hittler, Landeck, Tirol; der mit einem t war ja auch Österreicher) die Aufnahme in die Liste rechtfertigen.

Ich war, durch wen, weiß ich nicht, auf diese Weise also zu Listenehren gekommen und schrieb natürlich sofort e-mailig, dass ich keineswegs beleidigt, sondern höchst belustigt sei. Außerdem erwähnte ich, dass ich noch über allerhand Geschwister verfüge. Ein Herr Jonas antwortete und meinte, man wolle es bei einem von uns belassen, und da bekäme ich wegen größerer öffentlicher Bekanntheit den Zuschlag. Mir durchaus recht, und ich machte mich nun daran, die Liste der in nur einem Jahr zusammengekommenen über 600 Namen zu sichten. Man will ja wissen, was man so für Kollegen hat. Auch erhofft man sich Trost davon, dass es womöglich Menschen gibt, die mit noch erheblich "blöderen" Namen geschlagen sind.

Dieser Trost wurde mir in reichem Maße zuteil. Schon beruhigend etwa ist, dass die bei mir angegebene Berufsbezeichnung "Historiker" nicht sonderlich viel zur Komik beiträgt. Die Darstellung meiner Vermögensverhältnisse hätte schon mehr Heiterkeit erbracht. Noch tröstlicher aber, dass ich nicht zur großen Gruppe der fäkal-anal-genital Gebrandmarkten gehöre. Da finden sich die groteskesten Kombinationen, und ich will nur ein paar der milderen zitieren:

Klaus Klohoker geht noch, auch wenn man sich fragt, wie er das c losgeworden sein mag. Und Beate Nimmich hat das Glück, dass die Rechtschreibreform ein drittes m für die Aufforderung zum, Sie wissen schon, vorschreibt. Da hat es der Frauenarzt Günther Spreitzer schon schwerer, denke ich, und seinem Kollegen Christian Ferckel hilft das c so wenig wie dem Günther das t im Nachnamen. Annegret Gülle sollte sich vielleicht mal bei Günther Jauch bewerben.