Steiner: Guten Morgen Herr Remme.

Remme: Herr Steiner, wie bewerten Sie die gestrigen Ereignisse in Belgrad?

Steiner: Herr Remme, ich finde wir sollten uns auch mal freuen können. Das ist ein großer Erfolg für den internationalen Strafgerichtshof. Das ist ein großer Versöhnungsschritt gegenüber den Nachbarvölkern der Serben und es ist auch ein großer Erfolg für die internationalen Bemühungen um Gerechtigkeit, wie der Bundeskanzler ja gestern gesagt hat. Ich glaube man kann sagen, dass das über den Balkan hinausgehende Signal heißt, Kriegsverbrecher können nicht mehr damit rechnen, so einfach davon zu kommen. Ich habe gestern Abend auch Frau Del Ponte und Herrn Djindjic, mit dem wir in den letzten Tagen in sehr engem Kontakt waren, gratuliert und ihm auch meinen Respekt ausgedrückt, denn das war keine einfache Entscheidung.

Remme: Nun ist allen klar: diese Entscheidung kam unter massivem internationalen Druck zu Stande. Die Position vor allem der Amerikaner war unmissverständlich: kein Geld ohne Zusammenarbeit. Gestern ging es ja hin und her: zunächst das Urteil des Verfassungsgerichts in Belgrad, das eine Auslieferung verhindern sollte, dann der schnelle Vollzug am frühen Abend. Da ist ja sicherlich hinter den Kulissen auch viel geschehen. Inwieweit war die Bundesregierung daran beteiligt?

Steiner: Ja, Sie haben ganz Recht, Herr Remme. Das ist auch ein Erfolg einer Politik des beharrlichen Insistierens auf Zusammenarbeit mit dem Tribunal. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte zuletzt am Donnerstag eine sehr klare unmissverständliche Botschaft an die jugoslawische Führung gesandt. Darin forderte er im Interesse der Menschen in Jugoslawien, jetzt ein Zeichen zu setzen, was nur die Überstellung des Hauptangeklagten an das Tribunal bedeuten kann. Wir benötigen - so hat der Bundeskanzler ganz klar gesagt - einen entscheidenden Schritt aus moralischen, rechtlichen und politischen Gründen, und zwar noch vor der Geberkonferenz. Und es ist gut, dass dies rechtzeitig geschehen ist.

Remme: Wenn Sie sagen eine Note an die jugoslawische Führung heißt das, es wurde auch versucht, den jugoslawischen Präsidenten Kostunica mit ins Boot zu holen?

Steiner: Ich will das jetzt mal in dieser Form belassen, aber Sie können davon ausgehen, dass das an alle Entscheidenden und die richtigen Adressaten ging und ja auch verstanden worden ist.