Es ist leider wahr, diese Glosse hätte schon in der vergangenen Woche erscheinen müssen, aber d. Verf. sank allzu früh, wie man in gebildeten Zeiten hätte sagen können, in Morpheus' Arme, vulgo verpennte das Datum aller Datümer, nämlich den "Tag des Schlafes", hatte sich dann am "Tag der Architektur" in allerlei Luftschlösser verirrt und war erst heute, am "Tag des Rucks" (genau - jenem, den damals der Bundespräsident Herzog durchs Volk gehen ließ), wieder wach geworden.

Fünf Stunden soll der Mensch mindestens schlafen, hat der Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg neulich, just am "Tag des Schlafes", zum Besten gegeben. Hat aber nicht gesagt, wo man die fünf Stunden verbringen soll. Hoffentlich nicht des Nachts im Bett, da schläft man ja sowieso. Obwohl: 10 bis 15 Prozent aller Deutschen leiden an Schlafstörungen, liegen also nutzlos herum, zählen die Sternlein an dem blauen Himmelszelt und leiden später unter "Bluthochdruck, Schlaganfall, Krebs und Depressionen". Ganz anders der Schlafforscher. Der zählt abends die Mitmenschen, die er mit seinen furchtbaren Schlafforschungsergebnissen um den Schlaf gebracht hat.

Ob Gysi nachts gut schläft? "Let me have men about me that are fat", sagt Shakespeares Cäsar, "sleek-headed men, and such as sleep a-nights." Fette Männer, die nachts gut schlafen, braucht die Stadt, solche wie Kohl, solche wie Gysi. Die sich das Geld bringen lassen, anstatt auf zugigen Rastplätzen Millionen hin und her zu schleppen. Die nicht wissen, was Depressionen sind. Denen es der Herr im Schlaf gibt.

Der Theaterregisseur und Schriftsteller Michael Schindhelm ist zwar nicht fett, aber ein guter Schläfer, wie er dieser Tage aus Anlass das Schlaftages im Tagesspiegel bekannte, und wenn man bedenkt, was Schindhelm, Schlafes Bruder, im Lauf der Zeit so alles zusammengeschlafen und -geschrieben hat, dann ist, was der Herr ihm gibt, alles in allem nicht wenig. "Der Schlaf ist die letzte große Gewissheit", sagt Schindhelm. Es ist, das merkt man erst so nach und nach, der "Tag des Schlafes" eine segensreiche Einrichtung.

Was übrigens Roman Herzog betrifft (inzwischen 67 Jahre alt), so haben er und Frau Baronin Alexandra von Berlichingen (Alter ist der Redaktion bekannt) beschlossen, einander kirchlich zu heiraten. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Herzog mit den Worten, er habe den Heiratsantrag telefonisch unterbreitet, worauf der Baronin der Hörer aus der Hand gefallen sei. So schnell kann der Schlaf über den Menschen kommen.