Vorbei! Beinahe zeitgleich erklärten jetzt die beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing, dass die Atempause in 10 000 Meter Reiseflughöhe abgeschafft wird. Ab sofort werden immer mehr Flugzeuge umgerüstet und neue gleich ab Werk modifiziert ausgeliefert: mit Internet an Bord.

Airbus gab am 14. Juni den Einstieg beim Internet-Provider Tenzing bekannt. Das amerikanische Start-up-Unternehmen hat ein preiswertes und relativ unkompliziertes Verfahren entwickelt, während des Fluges über den eigenen Laptop E-Mails zu versenden und zu empfangen. Boeing konterte sofort - mit der Ankündigung, dass die US-Fluggesellschaften American, Delta und United Airlines rund 1500 Flugzeuge mit einem von Boeing entwickelten, superschnellen und vollwertigen Internet-Anschluss ausrüsten wollen. Mit der Option, auch Live-TV in die Kabine zu übertragen. Darauf hatte die Welt gewartet.

Mit dem Hin- und Herschieben von Datenmassen zwischen Flieger und Erdboden war es bisher so eine Sache. Es gab einen "Flaschenhals". Man war auf die langsamen und sündteuren Inmarsat-Satelliten angewiesen (die auch das kostspielige Bordtelefon nutzt).

Tenzing Communications arbeiten nun mit folgendem Trick: Sie offerieren dem Fluggast nur einen scheinbaren Internet-Zugang. Er kann lediglich in vom Provider oder von der Airline ausgewählten Webpages herumstöbern, die zwischen Landung und Start auf einen bordeigenen Server geladen wurden. Die gesammelte Mail der Kommunikationswütigen dagegen wird während des Fluges alle paar Minuten via Satellit zur Erde gefunkt. Vorteile: keine größeren Umrüstungen am Flugzeug - billige Lösung auch für den Passagier. Tenzing schätzt, dass der Zugang pro Flug einmalig 10 Mark kostet plus 1 Mark pro Seite E-Mail-Text. Nachteil: Das Internet-Angebot ist naturgemäß ziemlich begrenzt. Zurzeit sind einige Flugzeuge testweise mit Tenzing-Technologie unterwegs. Verträge bestehen mit Singapore Airlines sowie Cathay Pacific und Virgin Atlantic Airways.

Boeing verspricht die teurere, aber komfortablere Lösung. Dazu sind nicht unproblematische Eingriffe in den Flugzeugbau erforderlich, denn es muss eine immerhin fast surfbrettgroße Antenne außenbords montiert werden. Die steht in Kontakt mit den neuen Breitbandsatelliten, die Nordamerika schon weitgehend abdecken. Hier kann denn auch mit Datenströmen geklotzt werden. Wenn nicht alle Fluggäste gleichzeitig surfen, steht das komplette Internet schneller als daheim mit ISDN zur Verfügung. So werden Spielereien bis hin zur Live-Übertragung von einem Fußballmatch möglich. Dieser Spaß kann allerdings recht teuer kommen. Im besten Fall wird man wohl mit Preisen wie beim Mobilfunk rechnen müssen.

Lufthansa hat sich jüngst für die edle Boeing-Version entschieden und will ihren Langstreckenpassagieren die teure Technologie ab 2003 anbieten. Dass bis dahin im Himmel über Europa genügend Breitbandsatelliten bereitstehen, ist allerdings unwahrscheinlich.