Drei Schritte vor, einen zurück - die alten Medienkonzerne haben noch keinen Weg gefunden, im Internet Geld zu verdienen. Ihre Strategien unterscheiden sich in jedem Falle deutlich.

Holtzbrinck: Die Stuttgarter suchen Geschäftsideen, die ihren traditionellen Themen entsprechen: Wissen, Bildung, Wirtschaft. Generell gilt: "Wir machen keine Mega-Investitionen," sagt Oliver Weyergraf von Holtzbrinck Networx. Unter diesem Dach ist eine ganze Reihe von Start-ups versammelt, bei denen die Verlagsleute auch Partnerschaften eingehen - www.e-fellows.net kooperiert beispielsweise mit McKinsey und der Deutschen Telekom. Dort gibt es "Online-Stipendien" für Studenten, sprich: kostenloses Surfen, Zugang zu mehr als 400 Datenbanken und Karriereberatung. Die Unternehmen hoffen, auf diesem Weg in Kontakt mit hochqualifizierten Akademikern zu kommen. Um Nachwuchs geht es auch bei www.learnunited.de, der ersten Lernplattform für Online Nachhilfe für Schüler, die in Kürze online geht.

Burda: Die gleiche Zielgruppe der umworbenen 14-29jährigen hat auch der Münchener Verleger im Visier. Allerdings mit einer ganz anderen Ausrichtung als Holtzbrinck: seit dem 31. Mai ist das Internet-Entertainment-Magazin Whow.de am Start. Themen sind Promis, Mode und E-Commerce. Gesetzt wird bei Whow.de auf die Integration unterschiedlicher Mediengattungen, unter anderem mit dem Whow-Radio im Internet. Andere Beteiligungen führen ein Schattendasein - die ganz normale Auslese.

Axel Springer: Whow, das würde Springer gerne über sein Internetangebot sagen. Aber es hat noch eine Wegstrecke vor sich. Nun arbeitet der Verlag beim Großprojekt www.bild.de mit T-Online, dem größten deutschen Anbieter von Internetzugängen, zusammen. In "einigen Jahren", sagt der designierte Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, wolle man Geld verdienen.

Vivendi/Universal: Ganz anders definiert sich der französisch-amerikanische Mediengigant. Er versucht mit der Revolution in der Musikindustrie durch das Internet mitzuhalten. Über Pressplay, eine Kooperation mit dem japanischen Konzern Sony, soll digitalisierte Musik verkauft werden. Als neuer Vertriebsweg für die Stars der Tochtergesellschaft Universal Music und eventuell auch der Konkurrenz. Dabei glaubt sich Vivendi im Vorteil gegenüber amerikanischen Konkurrenz. "Wir müssen seit jeher mit zahlreichen Kulturen und Sprachen jonglieren", sagt Antoine Leford. Doch noch ist Pressplay nicht online, genau so wenig wie www.vizzavi.com. Es soll als Multiaccess-Portal über das Internet, mobile Endgeräte und das Fernsehen zu erreichen sein - immer unter derselben Adresse.

Bertelsmann: Die Gütersloher sind schon einen Schritt weiter, denn sie können schon "aus Fehlern lernen", wie ein Sprecher sagt. Besonders ernst nehmen sie das Musik-Geschäft, spätestens seit sie die Musiktauschbörse im Internet, Napster, gekauft haben. Zurzeit versuchen sie, den Online-Treff für Abstauber kostenloser Musik in ein lukratives Geschäft zu verwandeln, um an traditionelle Geschäfte anzuknüpfen: "Wenn Napster gelingt, dann wird das ein Riesen-Medien-Fanclub - der Buchclub der Zukunft", heißt es in Gütersloh. Ansonsten gehört eine Vielzahl von Internethändlern und -magazinen zum Konzern.