Theodosios-Nikolaos Markatos: Unsere Berufung könnte Aussicht auf Erfolg haben, weil dem Landgericht wohl ein schwerer Rechtsfehler unterlaufen ist. Demnach ist nämlich bei körperlichen Schäden des Reisenden ein Haftungsausschluss durch allgemeine Geschäftsbedingungen, wie ihn das Landgericht angenommen hatte, nicht möglich. Außerdem hat das Oberlandesgericht (OLG) München durchblicken lassen, dass ein Schadensersatzanspruch unter anderem wegen falscher Angaben im Prospekt durchaus in Betracht kommen könnte.

Zeit: Etwas weniger Fachchinesisch bitte!

Markatos: Die Prospekthaftung besagt, dass ein Reisekatalog wahrheitsgemäß und vollständig sein muss. Nach Auffassung des OLG kommen bei fehlerhaften Prospektangaben grundsätzlich ein Organisationsverschulden und eine Schadensersatzpflicht des Veranstalters in Betracht.

Zeit: Geht es noch etwas konkreter?

Markatos: Wissen Sie, es ist zurzeit leider doch verbreitet, im Reiseprospekt irgendwelche lautmalerischen Versprechungen oder Lockvogelangebote zu machen, die dann hinten im angehängten Kleingedruckten wieder entkräftet oder relativiert werden. Gerade spezialisierte Reiseveranstalter wie der Summit Club berufen sich dabei gern auf die Eigenverantwortung des Reisenden. Dieser Praxis würde wohl in Zukunft ein Riegel vorgeschoben.

Zeit: Wie sah das denn in Sachen Jamtal aus?

Markatos: Im Katalogtext zu der Unglückstour war von "sicheren, sanften Anstiegen" und "Genussabfahrten" die Rede. Weil sich der Summit Club in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und auch stets nach dem Unglück auf das unvermeidbare Restrisiko berufen wollte, kann es nicht angehen, dass im Prospekt eine Reise als absolut sicher ausgeschrieben wird.