Bill Gates und seine Mannschaft sind noch einmal davongekommen. Ein US-Berufungsgericht kassierte teilweise die Entscheidung des unerschrockenen Richters Thomas Penfield Jackson: "Microsoft wird nicht geteilt", lautet die Schlagzeile des "Handelsblatts".

Uneinheitlich ist heute Morgen noch der Kenntnisstand der Tageszeitungen im Fall Milosevic. Von dessen Überstellung an Vertreter des Haager Kriegsverbrechertribunals wissen nur "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "tageszeitung" und "Bild". "Milosevic ausgeliefert", lautet ungewohnt kurz die Schlagzeile bei der "Frankfurter Allgemeinen", "Bild" präsentiert die Langversion: "Endlich! Schlächter Milosevic (4 Kriege, 300.000 Tote) ausgeliefert". "Welt", "Tagesspiegel" und "Süddeutsche Zeitung" gehen noch davon aus, dass das jugoslawische Verfassungsgericht die Auslieferung des ehemaligen Präsidenten verzögere.

Die "Welt" macht mit Bundeskanzlers Schröders Haltung zu einem möglichen neuen Balkan- Engagement auf: "Kanzler sucht Mehrheit für Mazedonien-Einsatz". Und der "Tagesspiegel" freut sich an der Popularität des neuen Berliner Bürgermeisters: "Wowereit: Weg mit der Provinzialität".

Vors Gericht!

Nun muss er doch vor den Kadi. Die Belgrader Regierung hat sich über das Urteil der Milosevic- Spezis im jugoslawischen Verfassungsgericht hinweggesetzt und den ehemaligen Präsidenten der Serben und der Jugoslawen - bei der "Bild" heißt er natürlich "Diktator" - ausgeliefert. Ausschlaggebend waren finanzielle Anreize für das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land. Keine rechtstaatliche Glanzleistung, aber unterm Strich ein erfreuliches Resultat, urteilt der Kommentator der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Die Vereinigten Staaten hatten unmissverständlich klargemacht, dass nur nach der Überstellung Milosevics mit Aufbauhilfen zu rechnen sei. Dem hat sich die Regierung von Belgrad gebeugt [...]. Das war ein Tauschhandel. Die Feder vergangenheitskritischer Integrität können sich die neuen Herren Belgrads nicht an den Hut stecken. Der Erfolg für das Völkerstrafrecht aber ist ohnegleichen."

Auch die "tageszeitung" bewertet den Vorgang positiv: "Klar ist, die Auslieferung von Milosevic nach Den Haag ist die Folge massiven politischen Drucks und auch politischer Manipulation." Doch dieser politische Druck habe weder das UN-Kriegsverbrechertribunal noch seine Urteile entwertet: "Im Gegenteil: Ökonomische und politische Einflussnahme waren von Anfang an Teil des Verfahrens. [...] Völkerrecht ist eben politisches Recht - das zeigt sich Serbien nicht zum ersten Mal."

Ins Feld!