Auf den Titelseiten geht es heute kunterbunt zu: Jede Zeitung macht mit einem anderen Thema auf. "Kujat: Bundeswehr für Großeinsatz nicht gerüstet", titelt die "Süddeutsche Zeitung", "Jugoslawien kämpft um Einheit", der "Tagesspiegel". Die "Frankfurter Allgemeine" macht mit der Zuwanderungsdebatte auf, die "Welt" mit der Biopolitik. Die "Frankfurter Rundschau" warnt, dass der "Frieden in Nordirland" gefährdet sei (Zwischenfrage: Wann war er jemals sicher?), die "tageszeitung" sorgt sich um die Strahlenemission von Handys. Selbst das "Handelsblatt" kommt etwas sommerlochig daher: "IWF-Chef Köhler stützt Duisenbergs harte Zinspolitik". Und die "Bild"-Zeitung feiert zum hunderttausendsten Mal ihren roten Frontmann Michael Schumacher. Die Nachrichtenlage ist dünn, keine Frage.

Was wird aus Jugoslawien?

Die Auslieferung von Slobodan Milosevic an das UN-Tribunal in Den Haag hat Jugoslawien in eine Staatskrise gestürzt. Aus Protest gegen diese Aktion trat am Wochenende Premier Zoran Zinzic zurück. Nun muss Präsident Kustonica eine neue Regierung einsetzen – oder Neuwahlen zulassen. Denkbar ist auch, die jugoslawische Föderation gänzlich zu beenden. Darüber denkt zumindest Zoran Djindjic nach, der Regierungschef Serbiens.

Die Föderation sei ohnehin "nur noch ein kostspieliges Provisorium", schreibt Andrej Ivanji im Titelkommentar der "tageszeitung". "Bis auf die Bundesarmee und den gemeinsamen UN-Sitz haben die Länder institutionell schon heute nichts mehr miteinander zu tun", ergänzt Claudia Lepping im Tagesspiegel. Insofern sei es keine "Katastrophe", wenn Serbien und Montenegro voneinander unabhängig würden. Wie sich das politische Personal dann sortieren würde und ob sich die Reformer in Serbien weiter halten können, wagt allerdings niemand vorauszusagen. Sicher scheint einstweilen nur, dass die Landkarte des Balkans noch nicht ihre endgültige Gestalt gefunden hat.

Was wird aus Berlin?

Der Wahlkampf in Berlin entwickelt sich zu einem Dauerthema. Denn im Mikrokosmos der Hauptstadt werden die entscheidenden Fragen des bundespolitischen Makrokosmos verhandelt. Sie lauten: Kann sich die PDS als Regierungspartei etablieren? Wie soll man mit Helmut Kohl umgehen, dem ungebetenen Wahlkämpfer? Wieviel Macht hat Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende, die ihren Kandidaten Schäuble nicht gegen Kohl durchsetzen konnte? Und nicht zuletzt: Wer soll die Milliarden zahlen, die Landowsky und Freunde verspekuliert haben? Jede Zeitung greift sich heute einen anderen Aspekt des Themas heraus. In der "Frankfurter Rundschau" zum Beispiel kommentiert Pitt von Bebenburg die Zusammenarbeit zwischen PDS und SPD: "Das Angebot von SPD und Grünen, zur Not in Berlin mit [der PDS] zu regieren, ist richtig. Es stärkt die demokratische Erneuerung in der Ost-Partei, wie kein anderer Schritt es könnte. So wird im Berliner Wahlkampf die weitere Häutung der PDS zu besichtigen sein. Die Erklärung zum Mauerbau, über die der Vorstand heute berät, wird dafür Probe aufs Exempel. Die PDS muss klar machen, dass die Mauer von Anfang an Unrecht war, dass die SED dafür Verantwortung trug, und sie muss sich bei den Opfern aufrichtig entschuldigen. Der dadurch ausgelöste Prozess könnte die Partei zutiefst verändern."

Die "Welt" hingegen spürt nicht den Entwicklungschancen der PDS nach, sondern der Berliner CDU. Die hielt am Sonntag einen Parteitag ab und wählte dabei fast einstimmig ihren Fraktionsvorsitzenden Steffel zum Spitzenkandidaten. "Die Generation Diepgen saß eher versteinert am Rand, so als ob sie erst jetzt den Umbruch begriffe, der sich da vor ihren Augen vollzog", kommentiert Johann Michael Möller das Ereignis. "Die Schlüsselfigur der Misere, Klaus Landowsky, war dem Parteitag überhaupt ferngeblieben, und die Bundesführung hatte man überhaupt erst für den folgenden Tag eingeladen. Dieser Parteitag sollte sich ganz und gar um Frank Steffel drehen und ihm einen fulminanten Start verschaffen. Das ist gelungen: Weil Vorgänger Eberhard Diepgen einen würdigen Abgang bekam. Wie auch Steffel keinen Zweifel mehr an sich aufkommen ließ. Vor allem aber: Weil gegen Gregor Gysi keine alten Krieger mehr antreten, sondern junge Leute, die einfach keine Lust auf Sozialismus haben." Ob die jungen CDU-Leute eventuell auch keine Lust auf Merkel haben, ist heute in der "Süddeutschen Zeitung" nachzulesen. Auf der Seite Drei findet sich dazu ein langer, lesenswerter Hintergrundbericht. Titel: "Seitenhiebe und andere Parteifreundlichkeiten".