Im Jahr 1999 ließ der US-Bundesstaat Arizona die beiden Brüder LaGrand hinrichten, obwohl den beiden - sie waren zugleich deutsche Staatsbürger gewesen - der konsularisch korrekte, in der "Wiener Konvention" klar geregelte Rechtsbeistand durch ihren deutschen Staat schnöde verweigert worden. Ich sage schnöde, weil selbst das US-Außenministerium dessen Notwendigkeit durchaus klar gesehen hatte, ohne dass durch diese Rechtsansicht in Arizona irgendein Sack Soja umgefallen wäre - falls dort überhaupt Soja wachsen sollte. (Damit das nicht nur wie eine deutsch-amerikanische Aufsässigkeit aussieht: Die USA sind in ähnlich gelagerten Fällen auch mit den Rechtsansprüchen anderer Staaten und derer Angehörigen gleichermaßen rüde umgesprungen.)

Die Bundesrepublik zog jedenfalls gegen diesen Rechtsbruch ihres einstmaligen Vormundes, der selbstetablierten Vormacht vor den Internationalen Gerichtshof - und bekam nun in allen Punkten Recht. Wie gesagt, davon fällt kein Sack Getreide um, weder in Amerika noch in China, wo ja mit der Todesstrafe und dem diesbezüglichen Recht der Menschen, und auch sonst ganz schon rüde umgesprungen wird. Davon werden vor allem die Brüder LaGrand nicht mehr lebendig - übrigens auch nicht zu Engeln, tot oder lebendig; denn auch ihre Opfer bleiben tot. Aber selbst wenn ein korrekter Ablauf des ursprünglichen Prozesses in Arizona nichts an der massiven Un-Korrektheit der Todesstrafe als solcher geändert haben würde, denn auch mit deutschem Rechtsbeistand wären die beiden Brüder wahrscheinlich ins Jenseits befördert worden - es lohnt sich stets, im Großen wie im Kleinen, auch den großen Skandal im ganz großen dingfest zu machen. Denn die Rücksichtslosigkeit gegenüber den prozessualen Rechten selbst von Verbrechern ist doch stets zugleich auch ein symbolischer Hinweis auf das große Verbrechen der Todesstrafe rein als solcher, also des staatlich betriebenen Justizmordes.

Kommentare und Anregungen sind herzlich willkommen: leicht@zeit.de