Ein Test für Kommendes vielleicht, drei Tage - Uckermark. So heißt der nordöstliche Teil der Mark Brandenburg. Eine sanft hügelige Endmoränenlandschaft mit mehr als 400 Seen, Teichen, Sümpfen; mit wenig Industrie, nur dünn besiedelt und deshalb reich an Tier- und Pflanzenarten; mit rund 1000 Kilometern markierter Wege durch Wälder, über Wiesen, an Seen und Bächen entlang. »Frieden mit der Natur« verheißen die Prospekte; eine »steinreiche« Landschaft, wie geschaffen, sie per Fahrrad oder zu Fuß zu entdecken.

Mit dem Auto hin und dort Räder leihen? »Nä! Für Kinder gibt's immer so Schrotthinken!«, hatte die entschiedenere der Zwillingstöchter gemeckert. Wer zum elften Geburtstag gerade ein blaues 26er mit Kettenschaltung und Hörnern bekommen hat, der fährt nie mehr Schrotthinken, ist doch klar! Also war es entschieden: Bahn & Bike, besser Bikes - denn fünf an der Zahl sind eindeutig Plural, und beim ersten Verladen der sperrigen Dinger war das Null-Ballast-Gefühl denn auch kurz getrübt.

Am Hamburger Hauptbahnhof die glückliche Begegnung mit zwei erfahrenen Radreisenden. Sie haben die Fahrkarten profihaft um die Lenker geklebt, wissen, dass sich die Radabteile meist am Ende des Zugs befinden und wie man die Vorderreifen richtig in die Ständer einhängt. Schweißtreibend! Vor allem für Eltern.

Etappenziel und Ausgangspunkt: das Städtchen Angermünde, rund 80 Kilometer von Berlin entfernt, regionales Zentrum der südöstlichen Uckermark im Grenzland an der Oder. Von dort aus soll es in die Umgebung und bis hoch nach Schwedt gehen - lockere Tagestouren von je 25 Kilometern, um die Kinderbeine nicht zu überfordern. Geduldig mit uns geplant hatte der örtliche Tourismusverein; seine im Prospekt Mit dem Rad durch das Land Brandenburg ausgewiesene Dreitagetour Natur pur - Schorfheide und Odertal hatte er auf unsere Bedürfnisse, einschließlich Gepäcktransfer, zugeschnitten.

Ankunft 15.09 Uhr. Eitel Sonnenschein und beste Vorhersagen, also schnell die Regensachen im Hotel abladen. Dann zur Blumberger Mühle, dem Nabu-Informationszentrum des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin - eine derart faszinierende Wortfolge, dass wir sie noch abends im Bett um die Wette aufsagen.

»Und was soll'n wir da?« Die lästigste aller Kinderfragen (neben: »Wann sind wir endlich da?«) untermalt unsere halbstündige Radelei über sandige Feldwege. Man darf nicht drauf hören, sondern muss die Frage pädagogisch stur, in diesem Fall im Fahrradsattel, aussitzen. Denn kaum am Ziel, wandelt sich demonstrative Unlust mit schöner Regelmäßigkeit in waches Interesse. Was die Blumberger Mühle ausdrücklich verdient.

Straße zum Schafott