Die Idee war fast zu schön. VW wollte in Wolfsburg ein neues Modell bauen, einen Van auf Golf-Basis, A MPV genannt. Und VW-Personalvorstand Peter Hartz, der seinerzeit schon das 28-Stunden-Modell kreierte hatte, um Arbeitsplätze in Wolfsburg zu retten, war erneut mit einer revolutionären Lösung zur Stelle: Bis zu 5000 Leute sollten das Auto in einer extra gegründeten GmbH zu einem Einheitslohn von 5000 Mark montieren. Vorwiegend Arbeitslose sollten die Jobs bekommen, zugleich sollten die Produktionskosten deutlich unter dem Niveau in den benachbarten Werkshallen liegen, für die der VW-Haustarif gilt.

Zehntausende Arbeitssuchende bewarben sich - jetzt ist der Plan geplatzt.

"Die Verhandlungen hatten keinen Erfolg", ließ VW verlauten, obwohl "Volkswagen der IG Metall mit einem neuen und differenzierten Vorschlag entgegengekommen war". Das sieht die Gewerkschaft ganz anders. Der Vorstand habe "den Hals nicht voll bekommen können", schimpfte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Mitglied im VW-Aufsichtsrat, über die mangelnde Kompromissbereitschaft. - "Wir lassen uns mit der Arbeitslosigkeit nicht erpressen", teilte die Tarifkommission den VW-Beschäftigten nach den abgebrochenen Gesprächen mit.

Die Gewerkschaft steckte im Dilemma. Im Vorfeld hatten sich die Gesamtbetriebsratschefs von Ford, Audi, BMW, Opel, DaimlerChrysler und VW extra getroffen und festgelegt, "was passieren darf und was nicht", wie DaimlerChrysler-Betriebsratschef Erich Klemm verrät. Der Grund für die Sorge: "Wir wären alle sofort unter Druck gekommen, wenn bei VW etwas Dramatisches geändert worden wäre."

Schließlich wollen alle Autobosse derzeit sparen. Vor allem die geplante Entkoppelung von Arbeitszeit und Lohn wäre für Klemm und Kollegen ein "Systembruch" gewesen. Die von VW zuletzt vorgeschlagene Arbeitszeit von 42,5 Stunden und ein Gehalt, das "um mehrere tausend Mark unter vergleichbaren Löhnen in der Metallindustrie" gelegen hätte, schien der IG Metall nicht akzeptabel. "Wir können nicht hinnehmen, dass für ein fest vereinbartes Gehalt beliebig lang gearbeitet wird", sagt Klemm, "wir müssen alle Beschäftigten schützen." Zudem sei es "völliger Quatsch", dass die "Besitzstandswahrer" von der IG Metall dabei wieder einmal die Arbeitslosen vergessen hätten. "Gebaut wird das Modell sowieso", sagt Klemm, "irgendwo auf der Welt wird also Beschäftigung geschaffen."

Wahrscheinlich sogar in Wolfsburg. Die Drohung des Vorstands mit der Verlagerung ins Ausland erschien zuletzt in neuem Licht. Als das Projekt angestoßen wurde, lief die Autokonjunktur noch gut. Nun haben sich die Absatzmöglichkeiten eingetrübt. Den Bau des A MPV könnten deshalb auch VW-Werker übernehmen, die bislang in Wolfsburg den Golf montieren. So hätte VW zwei Probleme auf einmal elegant gelöst. Die Schuld am Scheitern des Projekts bleibt an der IG Metall hängen. Und die Montage des Konkurrenzmodells für den Opel Zafira und den Renault Scénic baut neuen Beschäftigungsproblemen in Wolfsburg vor.