Eine Frau allein in einem Apartment, riesig ist es, pompös eingerichtet, 48. Stockwerk. Blick in die Ferne, Blick über die Menschen, dem Himmel nah.

Die Frau telefoniert, nachts um halb drei. Spricht auf Anrufbeantworter, wählt Zufallsnummern, weckt wildfremde Leute, sucht Kontakt zur Welt. Sie liebt Musik, sitzt dann im Kerzenschein oder im Dunkeln, trinkt Champagner, raucht einen Joint, hat einen Gefährten namens Jean, ihr treuester Begleiter: ein Hund.

So werden wir in diese Großstadt-Tristesse eingeführt, man weiß nicht wo, Europa vielleicht, ein Meer ist in der Nähe, ein Flussdelta. Ortlos wirkt es, zeitlos, sehr gegenwärtig und nah. Und, von Beginn an, bedrohlich.

Hans Löffler ist kein junges Talent mehr. Seit 1979 hat er sechs schmale Bücher veröffentlicht, vier in der DDR beim Aufbau-Verlag, zwei bei Hanser dann, 1993 und 1996, einen Erzählband und eine Gedichtsammlung, auch diese Titel wenig beachtet. Nun der erste umfangreichere Roman.

Das Buch ist spannend wie ein Thriller, getragen wie ein Gedicht.

Unkommentiert, lakonisch und ohne Vorgeschichte. Woher stammt die mysteriöse Frau? Solveig heißt sie. Ein nordischer Vorname. Nach und nach ein paar andere Details. Anderson, der Nachname. Fährt Auto in der Nacht, ohne Ziel.

Lebt vor sich hin, ist zweiundvierzig und arbeitslos. Hat keine Not, hat wohl mal geerbt, und ist doch verloren. Wartet auf irgendetwas, wie entrückt. So geht das eine ganze Weile, eine lähmende, genau beschriebene Weile. Zeit tröpfelt vor sich hin. Warum ist die Frau geworden, wie sie ist? Warum ist sie vereinsamt? Wer hat sie verletzt? Man kann es nur vermuten.