Vor seinem Geschäftssinn hat L. J. Davis großen Respekt. "Wenn er jemals daran gedacht hätte, Tacos zu verkaufen, dann würde John Malone jetzt damit viel Geld machen", sagt der New Yorker Journalist. Davis beobachtet den amerikanischen Medienbaron und seine ausgeklügelten Manöver nun schon zehn Jahre lang. Sein vier Milliarden Dollar schweres Vermögen machte Malone zum Großteil durch den Kauf und Verkauf von Kabelnetzen. Nun wird ihm der amerikanische Kontinent zu eng.

Sein jüngster Coup, die geplante Übernahme eines großen Teils der TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom, ist nur einer in einer Reihe von internationalen Expansionsschritten. Bei der niederländischen United Pan-European Communications (UPC), der führenden Kabelgesellschaft Europas, ist er längst beteiligt.

Der 60-jährige Geschäftsmann, der sein Imperium von Denver im US-Bundesstaat Colorado aus regiert, landete seinen profitträchtigsten Deal vor zwei Jahren mit dem Verkauf der Kabelfirma TCI an den Telefonriesen AT&T. Malone hatte TCI seit Anfang der siebziger Jahre aus dem Nichts heraus geschaffen. Er kaufte sich flickenteppichartig kleinere, vor allem ländliche Kabelsysteme zusammen und machte sein Unternehmen zu einem der größten Player. 1991 gründete er dann die Schwesterfirma Liberty Media, die sich ganz auf Content, also Medieninhalte, konzentriert. Liberty besitzt heute stattliche Firmenanteile an einer Reihe von Medienkonzernen und Kabelsendern, darunter Unternehmen wie Time Warner, News Corporation, USA Networks, Discovery Channel oder TV Guide.

Malone baut Firmen lieber auf, als sie zu managen. Deshalb wollte er auch die zu fett gewordenen Besitztümer von TCI wieder loswerden. In AT&T-Chef Michael Armstrong fand er einen Gesinnungsgenossen, der sich von Malones legendärem Verhandlungsgeschick einwickeln ließ. Nur zu gern glaubte Armstrong an Malones Multimediavisionen. "Malone wollte seine beschissenen Kabelnetze unbedingt loswerden", beschreibt Davis die Situation. "Und Armstrong hat nicht gemerkt, in was für einem miesen Zustand sie waren." AT&T legte für TCI stramme 54 Milliarden Dollar hin. Liberty wurde mit in die Übernahme eingeschlossen, operierte aber weitgehend unabhängig und blieb unter Malones Kontrolle. Jetzt allerdings wird Liberty wieder abgespalten.

Bloß keine Regulierung

Die Ehe mit AT&T verlief von Anfang an problematisch. Malone beschwerte sich öffentlich, dass Liberty durch die Bindung an AT&T seine Investitionen nicht auf Firmen ausdehnen konnte, mit denen der Mutterkonzern im Wettbewerb stand.

Dazu kommt das große Ego des Liberty-Vorsitzenden. "Malone stellte für Armstrong eine ständige Bedrohung dar, dass er dessen Job übernehmen wollte", sagt Michael Noll, Direktor am Columbia Institute for Tele-Information und Kommunikationsprofessor an der Universtiy of Southern California.