Ein Ärmster, wer Lanzarote gebucht hat. Sonne, Sand, Meer, Cocktails. Was denn sonst. Ein Idiot, wer glaubt, in Florida nicht zwischen Ballermännern zu brutzeln. Wo der Urlauber auch hinfährt: Es ist das eine wie das andere. Und wer im Reisebüro den Kreativen markieren will - leichter quadriert er den Kreis. Denn das Noch-nie-Dagewesene: Es ist verschwunden aus dieser Welt.

Nicht ganz. Das Gute liegt noch da, ganz nah, wir stehen drauf. Ein Reiseführer ist erschienen, der noch Reisen kennt, die zu Unbekanntem führen: Zu den Böden Deutschlands. Böden sehen - Böden begreifen. Kostenfrei erhältlich beim Berliner Umweltbundesamt (per Fax: 030 89032912).

Böden haben es in sich. Erstaunlich, wie wenig man weiß von dem, was im 166 Seiten starken Reiseführer an Untergrundinformation gesammelt ist! "Wir brauchen mehr Bodenbewusstsein", fordert das Vorwort, völlig zu Recht.

Auf Erkundungsreise in das "Schutzgut Boden" verlässt man zum Beispiel die A 8 bei Stuttgart-Degerloch in Richtung B 27. Nicht weit davon lässt sich dann beobachten, wie aus Pararendzina durch Entkalkung und Tonverlagerung Parabraunerde entstand. Oder man fährt zu den Intensivmessflächen des Bayreuther Instituts für Terrestrische Ökosystemforschung, kurz Bitök genannt. Eine Profilgrube befindet sich auf 50ø 8' 39" N, 11ø 52' 00" O. Das dortige Exponat: Podsol-Braunerde. Nur ein paar Schritte weiter geht es durch wolliges Reitgras: pseudovergleyte Braunerde. Wer es mehr mit Löss, Flug- und Urrheinsanden hält, wandle über den geoökologischen Lehrpfad Gau-Algesheim.

Bohrstöcke sind vor Ort ausleihbar.

Industrieböden sind gesprächig. Schließlich haben sie den Menschen kennen gelernt. In Oberhausen erzählen Eisenhüttenschlacken aus Kalziumsilikaten von dessen Wirken: Hier liegt der pH-Wert des Bodens auf 12. Eine weitere Attraktion bietet dann die ehemalige Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen: Durch Umwandlung von Eisen in Magnetit ist der Aschenboden magnetisch geworden.

Andernorts ist von hydromorph die Rede oder podsoliertem Flugsand. Mithilfe von Varietäten und Subvarietäten, so die Autoren, lassen sich Zehntausende von unterschiedlichen Bodeneinheiten darstellen.