Sarah Bayer, 19, hat gerade ihr Abitur bestanden und wird im August als Flugbegleiterin bei der Lufthansa arbeiten. Danach möchte sie studieren, vielleicht Mediendesign oder Psychologie. Ayse Vural, 20, die in der Geschichtsprüfung fast vom Stuhl gefallen wäre, so stark wippte sie, ist stolz darauf, als Erste in ihrer Familie studieren zu können. Aber erst mal will sie nach Indien fliegen. Lisa Weiblen, 18, trägt ihre Schulsachen noch ein Jahr lang in einem schwarzen Eastpack-Rucksack spazieren und hat gerade eine Seminararbeit zum Thema therapeutisches Klonen geschrieben. Die drei Schülerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Metzingen bei Stuttgart halten Rückschau auf typische Schreibrituale.

Lohnt es sich heute noch, über Handschriften nachzudenken?

Ayse: Ich finde, die Schrift ist ein Ausdrucksmittel, vergleichbar der Körperhaltung. Wenn ich gut drauf bin, gehe ich aufrecht, und wenn ich mit niemandem reden möchte, laufe ich eher abgeschirmt. Beim Durchschauen meiner alten Tagebücher ist mir aufgefallen, dass ich manchmal ganz gerade schreibe, aber manchmal auch ganz schräg.

Lisa: Das stimmt, die Schrift passt sich oft der Stimmung an.

Sarah: Oft sehe ich eine Handschrift und kann sofort sagen: passt. Die schreibt so, wie sie ist.

Trifft das auch bei Lehrern zu?

Ayse: Chemie-, Bio- oder Physiklehrer haben meistens eine sehr leserliche und gerade Schrift, ordentlich eben. Das liegt auch daran, dass sie sowieso nicht so viel schreiben müssen. Geisteswissenschaftler haben dagegen eher eine Apothekerschrift, da muss man manchmal schon erahnen, was gemeint ist.