Sie könnte als Jeanne d'Arc des Musikbusiness zu verehren sein, als singender Beweis, noch mit vierzig Jahren - trotz Ignoranz aller Agenten und Kritiker - zu Ruhm und Geld gelangen zu können. Deshalb also lieben wir sie (auch), füllen (mittlere) Hallen, um zu sehen, wie sie ihr langes Haar hinter die Ohren streicht, ihre zart angerockten, melancholischen Lieder dem empfänglichen Publikum singt ("Thank you, it's great", sie hatte doch ein bisschen Angst vor den kritischen Deutschen!). Als Aimee Mann schon eine Karriere mit der Rockband 'Til Tuesday verfehlt hatte, mit ihren Soloalben nur die falschen Leute begeisterte, kam der Welterfolg mit ihrer Musik zum Film: Der Regisseur Paul Thomas Anderson ließ sich von ihren Songs zu Magnolia inspirieren. Sie hält sich an der Gitarre fest, ganz Singer/Songwriter, bemüht sich um lockere Zwischenansagen und bleibt doch staksig und bemüht, das Gegenteil von Pop, wo Inszenierung den halben Song bedeutet. Vielleicht ist es das Problem von blonden, schlanken, großen Frauen, die sich verhalten sollen wie blonde, schlanke, große Frauen und schwermütig werden, weil sie nur für das geliebt werden wollen, was sie können: wunderschöne, kluge Lieder zu schreiben, in die man eintritt, als sei man dort zu Hause. Und während du sitzt und lauschst, erscheint das doch geschäftsmäßig kurze, einstündige Konzert als friedliche Protestversammlung des guten Geschmacks gegen die böse Popwelt, die in Stadien den Sieg des Scheins feiert. Die Wahrheit spielt bei Aimee Mann. Das reicht nicht. Wir klatschen begeistert und trotzig.