Jede andere Partei wäre froh über so einen Mann in den Reihen. Wäre Gysi in der CDU, so stände er vielleicht schon als Kanzlerkandidat fest und nicht unsere traurige Angela Merkel, die man selbst hier im tiefsten Osten den Quotenossi nennt. Gysi profitiert vom Politikerverdruss, auch von der ausgrenzenden Sprache: "... wie bei uns im Westen", sagte Bundeskanzler Schröder vor dem Parlament, und wer hat aufgepasst? "... ich muss Sie erinnern, dass Sie der Bundeskanzler der Deutschen sind", sagte Gysi. Wen wundert es da, dass mehr und mehr Ostdeutsche ihre Stimme dieser schrecklichen Partei geben. Ich komme aus Dresden, wo ein Monarch regiert und an der Macht klebt und die PDS zweitstärkste Partei ist. Hier, wo die Wende begann, sind die Grünen und die SPD machtlos, haben wir in der Sächsischen Schweiz ernste Probleme mit Rechtsradikalität, wählen selbst frühere SED-Opfer die PDS, um auf sich aufmerksam zu machen.

Thomas Roos

"Seine Eitelkeit war immer nur die Maske des Strategen", schreiben Sie.

Solche Sätze erinnern mich an die Unterstellungen, mit denen Gorbatschow einst zu kämpfen hatte. Und wenn Gysi es einfach ehrlich meint? Wenn er tatsächlich Menschenrechtsverletzungen meint, wenn er Menschenrechtsverletzungen sagt? Verdächtig wäre eher, wenn er anfinge zu übertreiben, von brutalstmöglicher Aufklärung spräche.

Margarita Bulgakov

Man versucht Gysi Ernsthaftigkeit und Kompetenz abzusprechen. Aber die Leute sehen, was er hat und was andere nicht haben: Charisma. Die Maßstäbe, was seine Partei betrifft, sind die von 1989. In dieser Hinsicht wirkt die Kampagne starr und antiquiert. Die These, dass Kommunisten das Schlimmste sind, was uns passieren kann, und dass man sich vor ihnen fürchten muss, greift bei weitem nicht mehr überall. Vielleicht sind ja doch nicht alle PDS-Wähler dumme, kurzsichtige DDR-Revanchisten?

Friederike Hill