Die innere Sicherheit hat sie bekommen, die goldene Lola, den Deutschen Filmpreis 2001. Zum Glück. Das Experiment, das alles andere ist, als sein Titel verheißt, war ihr auf den Fersen, musste sich, zusammen mit Crazy, mit Silber begnügen. Gut, die staatliche Jury hat die Kurve gekriegt.

Popcorn auf und Zeitungen weglegen! Filmpreisverleihungen werden hierzulande von einer Art griechischem Tragödien-Chor der Printmedien eingeleitet: Oh weh, der deutsche Film ist tot, jawohl. Senta Berger, die einen der Preise als Patin überreichte, fand zwar, dass die diesjährige Aufmerksamkeit Hoffnung auf französische Zustände mache, aber davon sind wir weit entfernt.

Inhaltlich und auch gesellschaftlich. Die Feuilletonisten und Filmschaffenden hauen sich die Lösungen um die Ohren, doch so richtig greift keine davon.

Zentralismus, sagt der eine und rät: Sammelt euch in Berlin, ihr nationalen Sterne, auf dass ihr euch besser paaren könnt. Lasst Erfolg und die Produzenten entscheiden, wer Spreu und wer Weizen ist, sagt dagegen der Produzent. Einfach mehr Spaß im Kino und einen Blick zurück, wünscht sich treuherzig der süddeutsche Kritiker. Es fehle an Identität, setzt der Produzent nach. D-Land brauche Geschichten, deutsche Geschichten. Mit grünen Polizeiuniformen und gelben Briefkästen vor der Linse ist es dabei nicht getan.

Erfolg hat im Kino, was kracht, oder aber Bilder findet für das, was sich im Halbrund unseres Schädels zusammenbraut. Allzu oft zieht aber auch, was dem Einzelnen bestätigt: Ja, du Bürgerlein, du machst es richtig. Verstörende Filme haben es schwerer als das Experiment. Ein brillantes Beispiel für Effektkino: auch mir stellten sich die Haare auf. Empfehlen würde ich das Drehbuch als Anleitung für Horoskoptexte, ganz nach dem Motto: Es wird Ihnen etwas Schlimmes zustoßen, keiner weiß, warum.

Einiges kann man lernen, das Handwerk zum Beispiel. Auch wie man Spannung baut. Die Produktionsbedingungen, Förderung, die richtigen Mitarbeiter kommen bestenfalls hinzu, aber das, worum es geht, kann keiner lehren: die Botschaft. Die Botschaft ist eben nicht die Frage, ob Pretty Woman ihren Millionär kriegt, sondern: Zieh dich an, Mädchen, dann erlöst du auch einen, einen mit dem Fluch von Geld. Kein Wunder, dass wir da den Botschaften nicht mehr trauen.

Ich schlage das Kinoprogramm auf: Pokémon 3, Crocodile Dundee in Los Angeles, Die Mumie kehrt zurück, Die große Pause. Eine Arie des Kindlichen. Eine Arie des kindlichen Stumpfsinns. Die Kinos sterben ohnehin, die Multiplexe schlucken sie, und am Samstag beginnt das Münchner Filmfest: Man darf gespannt sein, ob einen der vielen Preise, den Regie-Förderpreis der HypoVereinsbank, der hierfür nominierte Rave Macbeth abräumt. Die Programmzeitschrift weist ihn als Heilsbringer aus: Die Message des durch rhythmischen Techno- und House-Beat bestechenden modernen Musicals lautet dabei nicht zuletzt: Keine Macht den Drogen! Das ist doch mal eine Aussage.