Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, wovon ich träume. Ich sitze in einem Café in Berlin und trinke Coca-Cola. Ich schaue aus dem Fenster. Ein Mädchen geht vorbei, eine Königin mit geflochtenen Zöpfen und stolzem Schritt. Ich fürchte, dass ich sie nicht nur mag, nein: Ich liebe sie. Was heißt Liebe: Ich hungere nach ihr! Schade - jetzt ist sie weg.

Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mit diesem namenlosen Mädchen mein Leben verbringen. Ich würde mit ihr in eine Hütte ziehen, Bücher schreiben und mich die nächsten 50 Jahre nicht mehr zeigen. Keine Fotos, keine Interviews - so wie es die großen amerikanischen Schriftsteller praktizieren, Jerome Salinger und Thomas Pynchon. Wie das Elektronik-Duo Daft Punk, das sich hinter Masken versteckt. Ich finde es glamourös zu verschwinden.

Ich bilde mir ein, meine blonde Königin zu lieben. Aber ich habe sie nur einige Sekunden gesehen, und ich kann nicht sagen, ob dies wirklich mein Begehren ist. Seit Freud wissen wir, dass die Eltern eine bedeutende Quelle unserer Wünsche sind. Sartre machte darauf aufmerksam, wie stark wir von den Blicken anderer beeinflusst werden. Und schließlich taucht ein gewisser Beigbeder auf und behauptet: Es ist die Werbung, die für dich entscheidet.

Sie ist es, die Lügen in unsere Gehirne pflanzt. Sie ist es, die unsere Herzen vergiftet und hohle Träume produziert.

Mag sein, dass ich die blonde Königin verwechselt habe - mit einem Calvin-Klein-Model. Vielleicht bin ich nicht fähig, Menschen zu lieben, sondern nur noch Bilder.

Ich behaupte, dass Werbung Gift ist. Und ich weiß, was ich sage, denn ich kenne diese Branche von innen. Damals war ich Werbetexter, das heißt, eigentlich war ich eher eine Küchenschabe. Langsam wurde ich einer von denen, die in riesige Gebäude kriechen, Meetings abhalten und stundenlang diskutieren, wie man Wünsche erzeugt. Dabei habe ich kichernd genickt und meinen Beitrag geleistet. Und weil ich eine nette Küchenschabe war, bin ich befördert worden.

Jetzt aber bin ich Frédéric Beigbeider, und es gibt keinen Grund mehr, Rücksicht zu nehmen.