Mehr als drei Millionen nutzen sie - und halten ihr die Treue: Im Oktober 1992 wurde die BahnCard eingeführt, zwei Jahre später schon kauften drei Millionen Kunden die Karte, die den Fahrpreis halbiert. Seitdem hält sich die Zahl der Nutzer konstant. Nun allerdings bangen eingefleischte Vielfahrer - demnächst wird die Deutsche Bahn AG (DB) ihr lange geplantes neues Tarifsystem vorstellen, das auch vor dieser mittlerweile Institution gewordenen Ermäßigungsvariante nicht Halt macht: Die BahnCard wird es weiterhin geben, so viel steht fest - und wir machen sie besser. Die neue Version allerdings könnte so aussehen: Nur noch 25 Prozent Ermäßigung, dafür ein deutlich billigerer Grundpreis, der bislang 270 Mark für die zweite und 540 Mark für die erste Klasse beträgt. Mehr wird nicht verraten: Beim Thema Tarifreform hält man sich bei der DB im Augenblick auffallend bedeckt.

Es gibt jedoch BahnCard-Anhänger, die sich Änderungen in ganz anderer Hinsicht wünschten. Denn nicht immer klappt der Umgang mit der Karte so nutzerfreundlich wie erhofft. Wer seinen Antrag gestellt hat, erhält sogleich und vorläufig eine fahrkartengleiche Papierkarte. Auf den richtigen, kreditkartengroßen Ausweis mit Foto heißt es warten - mitunter wochenlang. In einem krassen Fall sogar vier Monate. Ein wohlmeinder ICE-Schaffner aus dem Sächsischen jedoch trug dem Reisenden Hilfe an: Er habe eine Freundin, die kenne jemanden bei einer Reiseagentur, und die könnte helfen, schneller zu einer BahnCard zu kommen ...

Jeden Monat werden 300 000 Stück vom Bertelsmann Marketing Service in Schortens bei Wilhelmshaven für den Versand zurechtgemacht. Zehn Tage sollte es dauern, sagt Sandra Kuhrt, Leiterin Kundenbindung im Personenverkehr bei der DB. Der flotte Versand klappt in über 90 Prozent der Fälle. Als Hauptgründe für Verzögerungen nennt Sandra Kuhrt: Das Foto fehlt - vor allem, wer die Familienkarte beantragt, vergisst schon mal die Bilder der Kinder oder lichtet alle Lieben zusammen ab

der Antrag ist nicht vollständig oder fehlerhaft ausgefüllt

die Schrift kann nicht gelesen werden - der Antrag bleibt in der Verkaufsstelle zu lange liegen.

Wer sich allerdings für ein Abonnement entschieden hat, wie etwa ein Viertel der BahnCard-Nutzer, bekommt die Karte, die dann 13 Monate gilt, automatisch zugeschickt. Und ist dem Problem enthoben, mit just vor einem Tag abgelaufener BahnCard ertappt zu werden. Sofortiges Nachlösen im Zug?

Fehlanzeige. Das hält den Zugbegleiter ungemein auf, er soll sich um die Kunden kümmern, sagt Sandra Kuhrt. So kann es zum peinlichen Showdown kommen, bei dem sich manch sensibler Fahrgast in die Rolle des Betrügers gedrängt fühlt, wenn zum Beispiel die ungültige Karte eingezogen oder öffentlich gar zerschnipselt wird. Auf jeden Fall muss der volle Fahrpreis gelöhnt werden. Wer dann allerdings sofort zur nächsten Fahrkartenausgabe eilt und die neue Card beantragt, erhält die Differenz, abzüglich zehn Mark Bearbeitungsgebühr, zurückerstattet. Damit es allerdings erst gar nicht so weit kommt, schickt die Bahn etwa acht Wochen vor Ablauf einen neuen Antrag zu. Das liegt, so Sandra Kuhrt, deren wichtigstes Argument zur Kundenbindung die Karte ist, im ureigensten Interesse der Bahn.