Vor wenigen Wochen noch wurden Jacques Nasser in der Branche große Dinge zugetraut. Der ambitionierte Ford-Chef werde durch seinen erfolgreichen Konzernumbau wohl bald den weltgrößten Autohersteller General Motors überrunden und denke sogar an eine feindliche Übernahme des VW-Konzerns. Doch jetzt hat Nasser mit massiven Problemen auf dem amerikanischen Heimatmarkt zu kämpfen. Nachdem bei Unfällen mit dem Bestseller Ford Explorer, einem der in den USA so begehrten geländegängigen Sport Utility Vehicles (SUV), mehr als 200 Menschen zu Tode kamen, streitet sich Nasser vor einem Kongressausschuss mit den Verantworlichen des Reifenherstellers Firestone über die Ursachen.

Für Ford sind es die Firestone-Reifen, für den Zulieferer ist es die Konstruktion des Fahrzeugs. Eine groß angelegte Rückrufaktion der Reifen hat den zweitgrößten Autokonzern der Welt bereits drei Milliarden US-Dollar gekostet und erhebliche Einbußen beim Verkauf des Geländewagenmodells gebracht. Die bislang einmalige öffentliche Fehde wird von der gesamten Auto- und Zulieferbranche aufmerksam verfolgt. Je nachdem, was die laufenden Untersuchungen der US-Behörden zutage fördern, dürften nämlich noch weitere Milliardensummen auf Ford oder Firestone durch Schadenersatzklagen hinzukommen. Dabei waren es gerade die aufgemotzten Geländewagen, mit denen die US-Hersteller bislang am meisten Geld verdienten. Zu allem Überfluss schnitt Ford auch noch bei Studien zur Qualität und zur Arbeitsproduktivität überraschend schlecht ab.

Jetzt wird darüber spekuliert, ob Nasser den Chef von Ford Europa, Nick Scheele, als Verstärkung in den US-Vorstand holt. Der Brite hatte die Nobeltochter Jaguar saniert, und in den vergangenen Monaten konnte er aus dem Kölner Hauptquartier erste Erfolge der in Europa lange notleidenden Marke Ford melden.