In Sachen Gästeerniedrigung liegt München bundesweit ganz vorn. Zumindest, was die Clubszene anbelangt. Das P1 zementierte seinen Nimbus mit dem standhaften Gerücht, Madonna sei bei ihrer letzten Deutschlandtournee vor acht Jahren hier nicht am Türsteher vorbeigekommen. Seitdem steht das Partyvolk jedes Wochenende Schlange. Denn wer es reinschafft, ist cooler als Madonna.

Inzwischen hat sich das Prinzip der Selektion jedoch schon bis ins Innere der Edeletablissements ausgebreitet. Die demütigenden Angstminuten am Eingang sind dabei erst der Anfang. Drinnen wartet die nächste Erniedrigung: der so genannte VIP-Bereich. Er hat eine groteske Inflation erlebt, von New York bis Bielefeld scheint man ohne ihn nicht mehr auszukommen. Und auch da liegt München wieder ganz vorn. Im kürzlich eröffneten Pacha wird der VIP-Bereich nicht etwa durch eine diskrete Kordel, sondern durch eine Art Garagentor abgesperrt. Manchmal fahren die Betreiber Selbiges mit sadistischer Freude hoch, damit die glamourgeilen Normalos auf die Sonnenseite wechseln - und den Rest ihres Lebens von diesem Abend erzählen können. Schon widmen sich auch Theoretiker dem Phänomen: Der ehemalige Türsteher des Frankfurter Dorian Gray erteilt demnächst Seminare, wie man an Typen wie ihm vorbeikommt. Möglichst gelangweilt blicken und bloß keine weißen Socken tragen, lautet sein Expertenrat in Kürze.

Ich muss allerdings zugeben, dass auch mich dieser unwürdige Ehrgeiz packt, in das Reich der Verheißungen zu gelangen, sobald ich eine Kordel sehe.

Schlagartig wird mir klar, wo sich die Menschen aufhalten, die mein Leben reicher machen, wo die Drinks süßer, die Sessel weicher und die Boxen größer sind: jenseits der Kordel. In Ordnung: Wenn man jede Woche eine Sendung moderiert, die gern von nachtaktiven Menschen geschaut wird, erleichtert das gelegentlich den Zugang ins Allerheiligste. Manchmal, aber längst nicht immer. Oft heißt es auch, ich sei doch schon längst da. Dann muss ich draußen bleiben, weil sich irgendwer unter meinem Namen Zugang verschafft hat. Der größte Frust setzt allerdings ein, wenn man es endlich in die VIP-Lounge geschafft hat. Hier herrscht nämlich in der Regel Ödnis pur: kein Mensch außer ein paar flirtiven Schnöseln, die sich wahrscheinlich als jemand anders ausgegeben haben. Also nichts wie raus hier, wie jedes Mal. Bis zur nächsten Kordel.

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin Polylux, jeden Montag um Mitternacht in der ARD