Die Bühne, diesmal in Paris: der "Club of Three", eine Ansammlung höher gestellter Menschen aus Deutschland, England und Frankreich, die sich reihum in ihren Hauptstädten treffen, um über Europa, Weltwirtschaft und andere kosmische Themen zu reden. Die Akteure, bei Perlhuhn und Grand Cru: ein Blair-Vertrauter, ein französischer Minister, ein Kanzlerberater. Ihr Monolog à trois: Europa muss wieder zur zündenden Idee werden, welche die Herzen der Völker entflammt und ihre Skepsis wegtaut. So wie damals, in den Fünfzigern, als wir die Grenzpfähle umkippten. Warum, so lautete ihre Frage, gelingt das bloß heute nicht?

Die Antwort liefern die drei Herren selbst. Der Blair-Mann zum Euro: Ja, wir werden nach der gewonnenen Wahl den Weg zum Beitritt zügig trassieren, das ist im britischen wie im europäischen Interesse. Leider sei das Volk noch nicht so weit

es folgten fünf Gründe, warum es mit der Hast ga-a-a-nz langsam gehen müsse ... die Zinsen, der hohe Pfundkurs, die Murdoch-Presse ...

Der Jospin-Mann zur Erweiterung: "Den besten Beitrag, den die Regierung derzeit dazu leisten kann, ist das Schweigen"

entschlüsselt: Das Thema ist bei uns so unpopulär, dass wir es nicht aufs Tapet bringen wollen. Der Schröder-Mann: Keiner liebt Europa mehr als wir, aber im nächsten Jahr müssen wir erst einmal die Wahl gewinnen ...

Was zu beweisen war. Europa ist zur Innenpolitik geworden, und zwar im kleinsten Maßstab. Damit Europa wachsen kann, in die Breite wie in die Tiefe, müssten mächtige Gruppen (Bauern und andere Subventionsverliebte) gezügelt, halb-mächtige Staaten (die Kleinen mit ihren Sitzen und Stimmen) überzeugt und übermächtige Ängste (vor dem Fremden und dem Wandel) therapiert werden.

Bloß sind die Träger solcher Interessen und Ängste weder verstockt noch verrückt