Als Grünen-Chef Kuhn erklären musste, warum seine Partei mit der Landespolitikerin Klotz und nicht mit dem Bundespolitiker Özdemir in den Wahlkampf gegen Gysi zieht, wählte er ein doppeldeutiges Bild: Der Landesverband, sagte Kuhn, habe sich für den "Berliner Weg" entschieden.

Dieser Weg, der sich landespolitisch nur als Gasse der Mutlosigkeit beschreiben lässt, wird längst auch von der Bundespartei beschritten.

Die - gar nicht mehr so - neue Parteiführung vermag den Grünen keinen Sitz zu geben. Wo sich Kuhn für den Kandidaten Özdemir einsetzt, wirbt die Kollegin Roth für die Kandidatin Klotz, wo der männliche Vorsitzende die Grünen als "Familienpartei" ins Gespräch bringt, umwirbt seine weibliche Kollegin Feministinnen und "Verantwortungsgemeinschaften". Der Eindruck von Zerstrittenheit, der zurückbleibt, wiegt nicht so schwer wie der Verdacht, dass eine Idee davon, was die Grünen sein sollen, nicht mehr existiert.

Nichts in der Partei passt mehr zusammen: In der Gendebatte erfinden sich die Grünen als fundamentalistische Wiedergänger des Vatikans, aber in der Abtreibungsfrage gehört der Bauch weiterhin den Frauen. In der Außenpolitik streben sie das Erbe der "Europapartei" an - und wenden sich gegen die nötigen Investitionen in die europäische Verteidigungsidentität. Weil kein Aufbruch, erst recht keine Neuerfindung gelingt, bleiben die Grünen die verdruckste Ökopartei mit den kauzigen Suchbewegungen.

Eine Zeit lang sah es so aus, als sei dieser Zustand - zumindest machtpolitisch - nicht bedrohlich: Kanzler mögen matte Partner. Doch die Zeiten werden härter. Die einbrechende Konjunktur setzt Schröder unter Leistungsdruck. Sein Blick auf die Grünen wird sich verengen. Nicht auf ihre professionelle Mitarbeit am Sparkurs, an Steuer- und Rentenreform, sondern auf das, was sich nach außen vermittelt: auf Ökosteuer, Atomausstieg und Dosenpfand. Bald könnte ihm eine FDP, die Umweltpolitik für Gedöns hält und stattdessen kanzlerlike den wirtschaftlichen Nutzen der Biotechnologie betont, als verlockende Alternative erscheinen.

Den Grünen fällt zu alledem nichts ein. Ratlos verfolgen sie ihren Berliner Weg, der sie in drei Niederlagen führen wird: in Berlin gegen die PDS, die sie ohne Not zum potenziellen Koalitionspartner aufgewertet haben, in Sachsen-Anhalt gegen die FDP, die beinahe naturgesetzlich zulegt, und in Hamburg gegen den eigenen Anspruch, wenigstens aus einer Regierungsbeteiligung gestärkt hervorzugehen.*