Jakob van Hoddis, dem fröhlichen Apokalyptiker, Dichter des berühmten Textes Weltende, widmet sich endlich eine gründliche Ausstellung. Kaum jemand kennt ja mehr als jene acht fröhlich-apokalyptischen Zeilen von ihm, in denen die Dachdecker abstürzen und die Eisenbahnen von den Brücken fallen, fast nichts ist über sein Leben vor und nach jenen rauschhaften Jahren in der Berliner Boheme bekannt, in denen er zum Herold einer Generation wurde. Im Berliner Centrum Judaicum ist jetzt zu erfahren, wie der als Hans Davidsohn geborene Spross einer bildungsbürgerlichen jüdischen Familie zum Helden der expressionistischen Avantgarde wurde. Man lernt auch vieles über den Untergang dieses hellsten Sterns in der Menschheitsdämmerung, der legendären Anthologie von Kurt Pinthus, über seinen Weg in den Wahn, in die Psychiatrie, bis zu seiner Ermordung durch die Nazis und zum Weg seiner Angehörigen nach Israel. Das wunderbare Buch zur Ausstellung (Stroemfeld Verlag) von Irene Stratenwerth erzählt eine jüdische Familiengeschichte, in der alles enthalten ist, was das letzte Jahrhundert zwischen Aufbruch, Revolte, Utopie, Untergang und Hoffnung bereithielt.