Sosehr ich als Staatsanwalt mit Herrn Hennis darin übereinstimme, dass es sich die zuständigen Ermittlungsbehörden in Sachen Kohl mit ihren Einstellungsverfügungen ein wenig zu einfach machen, muss ich angesichts seines letzten Artikels feststellen, dass Herr Hennis juristisch irrt: Voraussetzung für eine Vernehmung durch Polizei oder Staatsanwalt ist die Bereitschaft des Beschuldigten, Angaben zum Sachverhalt zu machen. In der deutschen Strafprozessordnung hat der Beschuldigte nämlich das Recht, gar keine Angabe zu machen, da er sich nicht selbst belasten muss. Wenn ein Beschuldigter von diesem Recht Gebrauch macht, kann er in keiner Phase des Verfahrens, auch nicht in einem späteren Strafprozess, zu einer Aussage gezwungen werden. Herr Kohl könnte sich also genüsslich zurücklehnen und die Staatsanwaltschaft auffordern, seine Schuld zu beweisen, und im ganzen Prozess, außer zu seinen Personalien, keinen Ton sagen.

Jörg Böhmer, Ellwangen