Das Buch startete nicht unbedingt wie eine Rakete. Gerade mal 18 Rezensionen nach einem Jahr, und die Verkäufe blieben überschaubar. Von einer literarischen Sensation sprach niemand. Jedoch schrieb Samuel Lublinski, Essayist und Kritiker des Naturalismus, im Berliner Tageblatt, September 1902, geradezu prophetisch von einem "unzerstörbaren Buch. Es wird wachsen mit der Zeit und noch von vielen Generationen gelesen werden."

So kam es. Die Buddenbrooks machten Thomas Mann wohlhabend und berühmt, aber auch seinen Verleger Samuel Fischer. Schöner hätte sich Lublinskis Weissagung nicht erfüllen können. Der Traum von der Langzeitrendite mit ästhetischem Goldrand wurde wahr. Er schweißt bis heute Autoren und Verleger zusammen.

Doch der Markt rüttelt Träumende immer wieder wach, und in den allermeisten Fällen bleibt das große Geld aus. Dann erwacht des Dichters Misstrauen, ob ein Verlag genug für sein Buch tue und ob die Erlöse gerecht geteilt werden.

Geistiger Geburtshelfer, Vaterersatz, Coach oder Marktschreier ist der Verleger im besten Fall für seinen Autor, aber dieses Vertrauensverhältnis, ohne das keine Literatur entsteht, enthält einen unsentimentalen Kern: den Vertrag zwischen beiden. Er regelt delikate Dinge wie Vorschuss und Beteiligung an den Einnahmen. Da ist der Verleger ganz Unternehmer und der Autor nichts weiter als irgendein Freiberufler.

Die Wunderwelt des geistigen Eigentums ist noch immer ein freier Markt. Das ist gut so, weil das in Deutschland etwas mit der Freiheit der Rede zu tun hat und bisher eine kulturelle Vielfalt garantiert, die keiner missen möchte - nicht nur in der Literatur. Manchesterkapitalistische Verhältnisse bestehen dennoch nicht. Das deutsche Urheberrechtsgesetz - ansehnlich im internationalen Vergleich - bindet das Verwertungsrecht unveräußerlich an den Autor. Niemand kann es ihm abkaufen

er kann es nur portionsweise in fremde Hände geben und erwirbt damit einen Anspruch auf Teilhabe an möglichen Gewinnen, die mit seinem geistigen Eigentum erwirtschaftet werden.

Tarifrecht für die Fantasie?