Die Dimensionen sprengen das menschliche Vorstellungsvermögen: "Vergleicht man die Größe eines Nanopartikels mit einem Fußball, entspricht das dem Verhältnis zwischen dem Ball und der Erdkugel", versucht Alfred Oberholz, Forschungsvorstand der Frankfurter Degussa, den Unterschied zu erklären. Man kann auch von einem milliardstel Meter sprechen. Oder ein Haar zum Vergleich heranziehen: Das ist rund 50 000-mal dicker als der Partikel, um den es geht.

Willkommen bei den "Nanos", Altgriechisch für "Zwerg". Winzig klein in ihren Abmessungen, aber riesig groß in ihren Möglichkeiten. "Ein Technologiefeld mit Schrittmacherfunktion", sagt Gerd Bachmann, Nano-Fachmann im Techno-Zentrum des Vereins deutscher Ingenieure in Düsseldorf. "Wir leben im Jahrhundert der Nanotechnik", assistiert Horst Störmer, Physik-Nobelpreisträger von 1998. "Es winkt ein Milliardenmarkt", urteilt Pia Jankowski, High-Tech-Analystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln.

Nanotechnologie, das ist der Vorstoß in eine Welt, in der es kleiner kaum sein kann. Begonnen hat er Ende der fünfziger Jahre mit theoretischen Abhandlungen und den ersten praktischen Versuchen in den USA. Inzwischen hat die Technologie die Labors verlassen. Schon in diesem Jahr sollen Produkte der Nanotechnik weltweit einen Umsatz von 100 Milliarden Mark bringen. Das ist erst der Anfang: Im Jahr 2015, so Mihail Rocco, Nano-Experte bei der amerikanischen National Science Foundation, werde die neue Technologie ein Marktpotenzial von 700 bis 800 Milliarden Dollar haben - also mehr als 1,5 Billionen Mark.

In der Elektronik und der Datenspeicherung, bei der Oberflächen- und Materialveredlung und in der Präzisionsoptik geht man den Weg der permanenten Miniaturisierung schon seit Jahren. Entsprechend wird mit der Herstellung und Anwendung ultradünner Schichten oder der Ultrapräzisionstechnik bereits gutes Geld verdient. Jetzt entdecken auch die Biologie und Chemie, die Pharmazie und die Medizin die Nanotechnologie. Die Vision der Ärzte: bessere Sensoren bei der Schmerzforschung, noch kleinere endoskopische Werkzeuge für die Kardiologie, Operationsmethoden, die kaum noch invasiv sind.

Viel Geld vom Staat

Dabei verschwinden die Grenzen zwischen den klassischen Naturwissenschaften auf der Nano-Ebene immer mehr. Kooperation tut Not - bei den Forschern ebenso wie bei den Unternehmen. "Nur durch die rechtzeitige Bildung von Allianzen sind signifikante Erfolge zu erzielen. Strategische Partnerschaften ermöglichen entscheidende Wettbewerbsvorteile", schreibt Oppenheim.

Der Staat hilft ebenfalls - und nicht zu knapp. In den USA wird "die Zukunftstechnologie schlechthin" (Expräsident Bill Clinton) in diesem Jahr mit 500 Millionen Dollar unterstützt. Japan wirft in einem seit 1992 laufenden Zehnjahresprogramm 250 Millionen Dollar aus. Auch in Deutschland geht es um Standortsicherung: 1998 gründete das Forschungsministerium gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft sechs Kompetenzzentren, in denen 160 Forschungseinrichtungen und 160 Industrieunternehmen auf den verschiedenen Gebieten der Nanotechnologie zusammenarbeiten. Das fünfjährige Projekt soll mit insgesamt 150 Millionen Mark gefördert werden.